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Covid-19-Ausweis:Immun gegen gute Argumente

Gesundheitsminister Jens Spahn schiebt einen neuen Grund für die Einführung eines Corona-Immunitäts­ausweises nach, die er offensichtlich nach wie vor wünscht. Doch seine Begründung ist schwach.

Von Kristiana Ludwig

In Debatten ist es ja leider so: Nur weil einem noch ein neues Argument für eine schlechte Idee einfällt, wird die Idee dadurch nicht automatisch gut. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat einen weiteren Grund für den von ihm gewünschten Immunitätspass gefunden. Wenn fremde Länder eines Tages bei der Einreise einen Beleg für die Covid-19-Immunität sehen wollen, sagt er, dann wären die reiselustigen Deutschen ohne einen Immunitätsausweis aufgeschmissen. Der Gedanke wirkt nachvollziehbar. Trotzdem taugt er nicht als Begründung für einen Pass, wie ihn Spahn geplant hatte.

Wer nach Panama, Kenia oder in andere südliche Staaten reisen will, muss sich schon heute gegen Gelbfieber impfen lassen. Das verlangen die dortigen Behörden. Mag sein, dass es in einigen Staaten künftig ähnliche Regularien für eine Immunität gegen Covid-19 geben wird. Doch genauso wie die Gelbfieberimpfung wäre auch ein Antikörpertest auf Covid-19 freiwillig und außerdem bereits heute leicht beim Arzt zu bekommen. Dafür braucht es also gar kein neues Gesetz.

Spahn hatte in Wahrheit geplant, mit einem Immunitätspass Bürgern innerhalb Deutschlands Freiheiten einzuräumen, die sonst in Quarantäne müssten. Das wäre eine staatliche Selektion, die nach wie vor auf viel Kritik stößt. Deutsche Reiselust hin oder her.

© SZ vom 15.05.2020
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