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Corona I:Das Trauma

Eine Million Tote durch die Corona-Pandemie - und das ist nur die offizielle Zählung. Mindestens seit dem Zweiten Weltkrieg hat die Erde kein derart disruptives Ereignis mehr erfasst. Das Virus verändert alles: Es radikalisiert, polarisiert und destabilisiert.

Von Stefan Kornelius

Corona ist derart blitzartig ins Leben jedes einzelnen Erdenbürgers eingefallen, dass die Sehnsucht nach der alten Normalität noch lange nicht erloschen ist. Aber eine Million Tote in der Pandemie (nur nach offizieller Zählung, wohlgemerkt) erinnern daran, dass hier kein böser Traum vorüberzieht. Hier spielt sich ein Drama ab, das die Menschheit als Kollektiv gepackt hat und so schnell nicht wieder loslassen wird.

Mindestens seit dem Zweiten Weltkrieg hat die Erde kein derart disruptives Ereignis mehr erfasst. Das Lungenvirus verändert Gesellschaften, Politik, Wirtschaft, Kultur - einfach alles. Es bestimmt, wie die Menschen arbeiten, lernen, spielen, kaufen, essen und sich amüsieren. Es radikalisiert, polarisiert und destabilisiert. Das Virus hat mindestens eine Million Leben ausgelöscht und ungezählte mehr traumatisiert.

Bemerkenswert dabei ist, wie resilient Gesellschaften mit der Bedrohung umgehen, ob in den besonders hart getroffenen USA oder in der Vorbildnation Deutschland. Bemerkenswert ist aber auch, wie unfähig die Staatenwelt ist, sich in der Bekämpfung der Pandemie zusammenzutun. Die alten Reflexe sind übermächtig, auf der Suche nach dem eigenen Vorteil wird der einzigartige Charakter von Covid-19 als Menschheitsproblem vergessen.

© SZ vom 30.09.2020
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