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Corona:China fürchtet zweite Welle

Auf einem Markt in Peking gab es Dutzende Neuinfektionen. Auch in Brasilien und Russland greift Sars-CoV-2 um sich.

In China wächst die Furcht vor einem erneuten Ausbruch des Coronavirus Sars-CoV-2. Erstmals seit vielen Wochen sind in Peking die Infektionszahlen wieder gestiegen. Die nationale Gesundheitskommission meldete allein am Samstag landesweit 57 bestätigte Infektionen. Es ist die höchste Zahl seit April. Bei 500 Tests auf einem Großmarkt in Peking wurden 45 Infizierte entdeckt, viele von ihnen zeigten allerdings noch keine Symptome. Die neuen Fälle führen vor Augen, wie schnell das Virus zurückkehren und erneut ausbrechen kann.

Der Xinfadi-Markt im Stadtviertel Fengtai, der etwa 90 Prozent der 20-Millionen-Metropole mit Obst und Gemüse versorgt, wurde geschlossen, ebenso wie elf Wohnviertel sowie neun Kindergärten und Grundschulen in der Nähe. Etwa 10 000 Mitarbeiter des Marktes sollen in den kommenden Tagen getestet werden.

Der betroffene Bezirk in Peking befinde sich in einem Notfallmodus wie in Kriegszeiten, sagte ein örtlicher Beamter vor Journalisten. Auch wurden sechs weitere Märkte geschlossen. Experten warnen, dass die Versorgung der Hauptstadt mit Lebensmitteln beeinträchtigt werden dürfte. Wochenlang hatte China täglich nur noch eine Handvoll Infektionen gemeldet - meist waren aus dem Ausland heimkehrende Chinesen betroffen. Insgesamt sind in China mehr als 84 000 Corona-Infektionen offiziell bestätigt. 4634 Menschen starben.

Auch in Brasilien breitet sich das Coronavirus weiter rasant aus. Das Gesundheitsministerium meldet 21 704 Neuinfektionen. Damit steigt die Gesamtzahl bestätigter Fälle auf mehr als 850 000. Die Zahl der Todesfälle legte binnen 24 Stunden um 892 auf 42 720 zu. Brasilien weist nach den USA weltweit die meisten Infektionen und Todesfälle auf.

Viele Menschen infizieren sich weiterhin auch in Russland mit Sars-CoV-2. Laut Behörden sollen sich im Land innerhalb von 24 Stunden 8835 weitere Menschen mit dem Virus angesteckt haben. Damit stieg die Zahl der bestätigten Fälle auf fast 530 000. 6948 Menschen starben bislang in Russland an Covid-19.

In Deutschland können Urlauber von Montag an wieder zu Reisezielen in Europa aufbrechen. Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für 27 europäische Staaten wird voraussichtlich am Montag aufgehoben, zugleich lassen die meisten EU-Staaten wieder Touristen einreisen. Spanien, das beliebteste Urlaubsland der Bundesbürger, öffnet vom 1. Juli an seine Grenzen. Knapp 11 000 Touristen dürfen allerdings schon zuvor nach Mallorca und auf die anderen Balearen-Inseln reisen. Mit dieser Ausnahmeregelung soll geprüft werden, ob die Sicherheitsvorkehrungen in Flughäfen und Hotels funktionieren.

Am Dienstag wollen Telekom und SAP die von ihnen programmierte Corona-Warn-App offiziell freischalten. Sie soll den Gesundheitsämtern helfen, neue Infektionsketten schneller als bisher nachzuvollziehen. Die Mobiltelefone der App-Nutzer verschicken dazu permanent anonyme Identifikationsnummern, die andere Geräte in der Nähe speichern

© SZ vom 15.06.2020 / SZ

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