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Computer-Friedhof Agbogbloshie:"In Agbogbloshie finden sich Computer auch aus München"

Adjoa (9)

Adjoa (9) Sie verkauft kleine Wasserpäckchen an die jungen Arbeiter, mit denen sie sich erfrischen, oder die kleinen Feuer ablöschen. Das machen die, weil Kupfer, wenn es zu lange dem Feuer der brennenden Kabelbüsche ausgesetzt ist, an Gewicht (=Geldwert) verliert.

(Foto: Kevin McElvaney)

Wie viele Menschen sind von der Kontaminierung betroffen?

Vierzig bis fünfzig Leute leben dort, aber rund um die Uhr zieht der Rauch in die Umgebung. Vor allem junge Menschen gehen nach Agbogbloshie. Aber die Folgen sind nicht lokal begrenzt: Jedes Mal, wenn es regnet, spült das Wasser den Elektromüll und die Giftstoffe ins Meer und somit in die Nahrungskette. Egal, wo wir auf der Welt sind: Wir entkommen den freigesetzten Giften nicht. So werden über kurz oder lang auch Sie in Europa betroffen sein. Von dort stammt ein großer Teil des Elektro-Mülls.

Woher wollen Sie das wissen?

Ich sammele schon seit Jahren entsprechende Kennzeichnungen auf dem E-Waste. Und ich kann Ihnen sagen: In letzter Zeit kommt besonders viel Müll aus Deutschland. Die Geräte stammen auch aus renommierten Institutionen.

Können Sie Beispiele nennen?

In Agbogbloshie habe ich E-Waste von deutschen Regierungsbehörden, Banken, Universitäten und Krankenhäusern gefunden. Wo leben Sie?

In München.

In Agbogbloshie finden sich Computer auch aus München. Die Besitzer haben sicher geglaubt, dass ihre Geräte recycled werden, dass alles umweltfreundlich und sauber abläuft. Das ist nicht die Realität!

Sondern?

Das Zeug wird auf Schiffe verladen und nach Afrika gebracht. Beim Ausladen im Hafen wird sortiert: Was gut aussieht, wird behalten und weiterverkauft, ob die Geräte funktionieren, wird nicht geprüft. Was nicht so gut aussieht, wird zu Plätzen wie Agbogbloshie gebracht.

EWaste Agbogbloshie

Zum Recycling in Europa abgegeben, weggeworfen in Agbogbloshie: PC aus dem Bestand der Firma Raab Karcher, die ihren Hauptsitz in Frankfurt am Main hat.

(Foto: Oliver Schöning)

Wer verdient an diesem Prozedere?

Einige Menschen und ihre Firmen, die den E-Waste in Länder wie Ghana bringen. Sie verdienen sogar doppelt. In Europa zahlt man beim Kauf des Computers ja auch immer ein bisschen mit für die Entsorgung. Dann werden die Sachen nach Afrika verkauft.

Was tut die ghanaische Regierung dagegen?

Ich habe Regierungsvertreter auf Konferenzen erlebt, die die Problematik thematisiert haben. Aber alleine kann man diese Entwicklung nicht stoppen. Die EU und die afrikanischen Staaten müssen gemeinsam Lösungen entwickeln.

Wie kann eine solche Lösung gestaltet sein?

Eine Lösung muss bei Ihnen in Europa beginnen. Die entwickelten Länder müssen aufhören, giftigen E-Waste in arme Länder zu exportieren. Das ist illegal und sollte bestraft werden. Das ist nach dem Basel-Abkommen verboten. Ich würde gerne mal von der deutschen Regierung erfahren, warum es trotzdem möglich ist, dass Tag für Tag Lastwagen kommen und auch deutschen Elektroschrott in Agbogbloshie abladen. Europas Giftmüll sollte in Europa bleiben.