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Nach Lolita-Affäre:De Jager ersetzt von Boetticher

Vor der Krisensitzung der schleswig-holsteinischen CDU deutete alles darauf hin, nun ist es bestätigt: Jost de Jager soll die Lücke füllen, die Christian von Boetticher hinterlassen hat. Das Votum der CDU-Landesspitze für de Jager als zukünftigen Landesvorsitzenden und Spitzenkandidaten der Landtagswahl fiel am späten Abend einstimmig.

Wirtschaftsminister Jost de Jager soll neuer CDU-Spitzenkandidat in Schleswig-Holstein werden. Der 46-Jährige soll zudem Ende September auf einem Sonderparteitag zum neuen Landesvorsitzenden seiner Partei gewählt werden. Dafür sprach sich die Landesspitze der Christdemokraten auf einer Sitzung am Dienstagabend in Kiel aus.

CDU Schleswig-Holstein - Jost de Jager

Der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) wird Nachfolger für die Spitzenkandidatur von Boettichers.

(Foto: dpa)

De Jager soll damit die Nachfolge des am Sonntag zurückgetretenen ehemaligen Landes- und Fraktionschefs sowie Spitzenkandidaten Christian von Boetticher antreten. Der 40-Jährige war über eine frühere Beziehung zu einer damals 16-Jährigen gestürzt.

Die Landtagswahl in Schleswig-Holstein ist für den 6. Mai 2012 vorgesehen.

Grundsolide und verlässlich

Jost de Jager gilt als grundsolider Politiker ohne Allüren und allzu ausgeprägten Drang ins Rampenlicht. Parteifreunde und selbst Vertreter der Opposition beschreiben den 46-jährigen Wirtschafts- und Verkehrsminister im Kieler Landeskabinett als unauffälligen, aber ungewöhnlich scharfsinnigen und zuverlässigen Fachmann.

Die Umstände, unter denen de Jager jetzt zum schleswig-holsteinischen CDU-Spitzenkandidaten und Landesparteichef gekürt wurde, sind typisch für seinen bisherigen Werdegang: Er drängt sich nicht auf, er kommt zum Zug, wenn die schillernderen Kandidaten ausfallen.

Der seit 2009 amtierende Minister wird in der CDU geschätzt. Erst am Montag lobte ihn Ministerpräsident Peter Harry Carstensen als "charakterfesten und ordentlichen Kerl". Derartige Einschätzungen von de Jager sind typisch. Der gebürtige Rendsburger, tief verwurzelt in Schleswig-Holstein und in seiner Partei, gilt zwar nicht als besonders glamourös, dafür aber als fachkundig und verlässlich.

Nüchterner Wahlkampf im Mai 2012

De Jager gilt in der CDU als Leistungsträger, dem man bedenkenlos wichtige Aufgaben anvertrauen kann. Vor der Landtagswahl hat er allerdings nur noch neun Monate Zeit, auch die Bürger im Land davon zu überzeugen.

Dass die SPD mit Spitzenkandidat Torsten Albig ebenfalls einen betont pragmatischen, wenig charismatischen Mann ins Rennen schickt, könnte de Jager entgegenkommen. De Jager bekundete Siegeswillen für die Landtagswahl: "Ich trete bei dieser Wahl an, um zu gewinnen."

© sueddeutsche.de/dapd/AFP/hü
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