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Umfrage:Gewalt gegen Bürgermeister und Verwaltungsangestellte nimmt zu

Dauerstreit im Rathaus von Leutershausen

Immer mehr Rathaus-Mitarbeiter und Bürgermeister fühlen sich bedroht.

(Foto: dpa)
  • Hatten 2019 noch neun Prozent aller Kommunen angegeben, dass Bürgermeister, Mitarbeiter oder Gemeinderäte attackiert wurden, waren es diesmal 20 Prozent.
  • Besonders betroffen sind Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, wie es weiter hieß. Neun Prozent von ihnen hätten bereits Gewalt am eigenen Leib erfahren.
  • 29 Prozent der befragten Bürgermeister hätten laut Umfrage erklärt, bei der kommenden Wahl nicht mehr antreten zu wollen.

In jeder fünften Stadt und Gemeinde in Deutschland sind Bürgermeisterinnen und Bürgermeister oder Verwaltungsangestellte bereits Opfer von körperlicher Gewalt im Amt geworden. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Zeitschrift Kommunal im Auftrag des ARD-Politmagazins report München hervor. Demnach hat sich die Zahl der gewalttätigen Angriffe innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt: Hatten 2019 noch neun Prozent aller Kommunen angegeben, dass Bürgermeister, Mitarbeiter oder Gemeinderäte attackiert wurden, waren es diesmal 20 Prozent. Im Auftrag des ARD-Politmagazins seien insgesamt 2494 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister befragt, also etwa ein Fünftel aller Rathaus-Chefs in Deutschland

Besonders betroffen sind Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, wie es weiter hieß. Neun Prozent von ihnen hätten bereits Gewalt am eigenen Leib erfahren. Sieben von zehn Kommunen hätten zudem mit persönlichen Beleidigungen und verbalen Drohungen zu kämpfen, sagte Kommunal-Chefredakteur Christian Erhardt. Hinzu kämen Hassmails, Beschimpfungen in den sozialen Medien und Drohbriefe.

Professor Andreas Zick, Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Uni Bielefeld, betrachtet die Ergebnisse der Befragung laut report München mit Sorge: "Wir sehen ein dramatisches Element: Die Gewalt verlässt das Internet." Denn die verbalen Attacken aus dem Netz rückten näher an die Bürgermeister heran: "Menschen suchen die Mandatsträger gezielt auf, um ihnen die Wut an den Kopf zu werfen und sie anzugreifen."

Das hat auch Folgen: 29 Prozent der befragten Bürgermeister hätten erklärt, bei der kommenden Wahl nicht mehr antreten zu wollen, sagt Kommunal-Chefredakteur Erhardt. Fünf Prozent nannten konkrete Bedrohungen als Grund für diese Entscheidung. Weitere neun Prozent verwiesen auf "den grundsätzlichen Umgang miteinander beziehungsweise die verrohte Diskussionskultur im Alltag". Es drohe ein "flächendeckender Kollaps im politischen Ehrenamt", warnte Erhardt.

Das Politmagazin berichtet am Dienstag (10. März) um 21.45 über die detaillierten Ergebnisse der Studie.

© SZ.de/epd/dayk/mkoh
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