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Blockupy-Demonstration in Frankfurt:Blockupy steht weit links von SPD und Grünen

Denn Blockupy steht - anders als die namensverwandte, überparteiliche Occupy-Bewegung - bewusst weit links von SPD und Grünen. Den Grünen etwa, die in Frankfurt gemeinsam mit der CDU regieren, verleihen die Aktivisten begleitet von Buhrufen die "grüne Kartoffel". Und die SPD? Sei doch selbst Teil des "kapitalistischen Schweinesystems", heißt es auf der Auftakt-Kundgebung.

Der Kapitalismus müsse aber ein für allemal raus aus den Köpfen, rufen die Demonstranten, "brecht die Macht von Banken und Konzernen" und "A- Anti- Anticapitalista". Die Aktivsten bedienen sich also größtenteils jener Rhetorik, die SPD und Grüne in der Ära Schröder/Fischer so tollkühn entrümpelt haben - und mit ihr, so empfinden es viele ehemalige Anhänger, ihre Ideale und das letzte bisschen Glaubwürdigkeit.

Die Linkspartei kann also als einzige von den großen Parteien unbefangen ihre Fahnen schwenken, auch die Piratenpartei bekommt einen eigenen Redeslot. Und es ist auch bezeichnend, dass als Rednerin Jutta Ditfurth auftritt - jene wortgewaltige Mitbegründerin der Grünen, die ihre Partei im Streit um zu viel Anpassung an das System schon vor Jahren verließ und nun für die Minipartei Ökolinx in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung sitzt.

Was ist hier die Gefahr für die Demokratie?

Ditfurth fordert ebenso wie die anderen den Rücktritt Boris Rheins, betont aber zugleich: "Auch nach dem Rücktritt blieben die Strukturen erhalten, die uns unterdrücken. Da kommen dann einfach die nächsten Pappnasen." Die Lösung, seit Jahrzehnten klar: den Kapitalismus abschaffen! Auch der Kabarettist Urban Priol schaut bei Blockupy vorbei und witzelt etwas bemüht, Frankfurt sei die kriminellste Stadt Deutschlands, "weil dort das Bankenviertel steht".

Doch den Demonstranten gefällt's, sie schwenken die Regenschirme, auf denen einige von ihnen Dinge wie "Vorsicht, gefährliche Waffe" geschrieben haben. Auch ein schwarz angemalter Pappkarton macht die Runde, den sich die Blockupy-Anhänger gegenseitig auf die Köpfe setzen. Der "Schwarze Block", klar. Trotz aller Wut, das ist die Botschaft, darf der Humor nicht verloren gehen.

Innenminister Rhein hat hingegen wenig Grund zu lachen. Ohne den Polizeieinsatz würde heute vermutlich längst keiner mehr über die Demo reden. Aber so bleibt nach diesem Samstag die Frage: Wer ist hier eigentlich eine Gefahr für die Demokratie? Blockupy, das haben die Aktivisten bewiesen, jedenfalls nicht.

© Süddeutsche.de/beitz/jasch
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