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Bevölkerungspolitik in den USA:Hispanics gelten als eigene "Rasse"

Schwarz oder weiß? Die Antwort auf diese Frage fiel Hispanics in den USA bisher schwer. Doch nun gelten sie dort als eigene "Rasse". Damit werden sie mancherorts zur entscheidenden Wählergruppe - und es geht auch um Geld.

Mitarbeiter des amerikanischen Statistikamtes werden oft mit der Geschichte zitiert, wie sie in Harlem eine Familie befragen, welcher "Rasse" sie denn jetzt angehöre: Weiß? Schwarz? Und als Antwort kommt: "Puerto Rico".

Hispanic Day Parade in New York

Die "Hispanic Day Parade" in New York.

(Foto: REUTERS)

Was bleibt dieser Familie auch anderes übrig? Auf den Umfragebögen der Volkszähler sind solche wie sie nicht vorgesehen. Es gibt African und Asian Americans, es gibt die Weißen und es gibt American Indian/Alaska Native. Es gibt sogar Pacific Islander, Menschen, die von den Südseeinseln stammen. Aber es gibt keine "Hispanics". Hispanics werden da maximal als Ethnie betrachtet, so als sei von Mexiko bis Chile und von Kuba bis Peru kulturell alles eins.

"Rasse" ist in Amerika laut United States Census Bureau eine "soziale Definition". Die Erhebungen stellen keinen Versuch dar, "Rasse biologisch, anthropologisch oder genetisch zu definieren". Die entsprechenden Statistiken beruhen auf "Selbstidentifikation" der Bürger.

Nun hat das Census Bureau einige Neuerungen angekündigt. Erstens: Das Wort "negro" wird nicht mehr verwendet werden; immer weniger Schwarze, heißt es, hätten sich zuletzt noch mit dem Begriff identifizieren können, der damit die letzte Legitimität zu verlieren scheint, die er überhaupt noch hatte - die einer Selbstbezeichnung. Zweitens: Araber sollen sich als solche kenntlich machen können. Und vor allem drittens: Die Hispanics sollen bei der nächsten Volkszählung, die für 2020 ansteht, als eigenständige Rasse gelten.

Das sind keine Kleinigkeiten, solche Begriffe sind im Amerika heikle Angelegenheiten und es geht am Ende, wie immer, auch ums Geld. Anhand der Frage, wer sich als was identifiziert, bemisst sich in den Statistiken das Verhältnis der Bevölkerungsgruppen untereinander, und davon hängt die Budgethöhe staatlicher Programme ab. Wenn Hispanics, die sich vorher unter weiß, schwarz oder irgendetwas anderem einsortiert hatten, geschlossen als Hispanics registrierten, wären sie die am stärksten wachsende Rasse in den USA.