Belgien Rechtsradikale mit hohen Gewinnen

Von SZ, Brüssel

In Belgien hat die rechtsradikale Partei Vlaams Belang bei den zeitgleich mit der Europawahl abgehaltenen Wahlen zum nationalen Parlament am Sonntag starke Zuwächse erzielt. Nach Hochrechnungen am späteren Abend schlug ein gutes Ergebnis in Flandern, wo die Partei antritt, auch auf das landesweite Ergebnis durch: Insgesamt erreichte sie so etwa 14 Prozent der Stimmen, ein Zuwachs um zehn Prozentpunkte. Stärkste Kraft wurde die flämische Separatistenpartei N-VA, die knapp 19 Prozent erreichte, aber leichte Verluste erlitten hat. Das dürfte die Regierungsbildung deutlich erschweren, die wegen der Teilung des Landes in das niederländisch sprechende Flandern, die französischsprachige Wallonie und die bilinguale Region Brüssel ohnehin kompliziert ist. Es gibt fast keine Partei, die sowohl in Flandern als auch in der Wallonie antritt. Stattdessen gibt es für fast jede politische Strömung jeweils zwei voneinander unabhängige Parteien, manchmal sogar noch eine dritte für die deutschsprachige Minderheit in Ostbelgien.

In der Wallonie wurden die Sozialisten trotz deutlicher Verluste erneut stärkste Kraft. Landesweit erzielten sie zwar nur 6,5 Prozent, in der Wallonie aber mehr als 25 Prozent. Umgerechnet in Sitze bedeutet das nach Auszählung von 5500 der 6700 Wahllokale, dass die N-VA mit 25 von ingesamt 150 Abgeordneten erneut die größte Fraktion stellt, gefolgt von Vlaams Belang und den wallonischen Sozialisten mit jeweils 18 Sitzen. Die Ergebnisse könnten sich aber noch deutlich verschieben, da am späteren Abend vor allem noch Ergebnisse aus der Wallonie ausstanden.