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Bayern:Gesundheitsministerin wusste früh von Testpannen

Melanie Huml war deutlich eher über die Probleme bei den Corona-Tests für Urlauber informiert als bislang bekannt. Die Öffentlichkeit wurde erst Tage später ins Bild gesetzt.

Von Andreas Glas und Christian Sebald

Die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) hat früher von den Corona-Testpannen gewusst als bisher von ihr dargestellt. Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung wurde ihr Ministerium bereits am Montag der vergangenen Woche informiert, dass Zehntausende Reiserückkehrer auf ihre Testergebnisse warten, darunter mehrere Hundert Infizierte. Erst zwei Tage später, am Mittwoch, informierte die Ministerin die Öffentlichkeit bei einer Pressekonferenz. Dort versicherte Huml, sie habe erst am Morgen vom gesamten Ausmaß der Panne erfahren.

Dass sich das Ausmaß aber bereits am vorvergangenen Montag deutlich abzeichnete, belegt eine E-Mail aus dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), die der SZ vorliegt. Um 12.30 Uhr ging die Mail an Humls Ministerbüro. Darin berichtet das Laborunternehmen Eurofins, das die Corona-Tests für Reiserückkehrer an drei bayerischen Autobahnen auswertet, von massiven Problemen. Konkret ist zu diesem Zeitpunkt bereits die Rede von mehr als 40 000 Proben und 338 positiven Fällen, die noch nicht übermittelt werden konnten. Als Huml dann über die Panne informierte, waren die Zahlen auf 44 000 Proben und mehr als 900 Positivbefunde gestiegen.

Huml hatte die am Mittwoch eilig einberufene Pressekonferenz damit begründet, dass es wichtig sei, dass die positiv Getesteten ihre Ergebnisse so schnell wie möglich bekämen. Es sollte verhindert werden, dass die Infizierten weitere Menschen anstecken. Dies könnte aber doch geschehen sein, weil seit dem Eingang der E-Mail in Humls Büro mehr als 54 Stunden vergingen, bis die Öffentlichkeit von der Panne erfuhr - und erst zwei Tage später damit begonnen wurde, die gut 900 Infizierten zu ermitteln. "Mit Hochdruck", wie Huml damals sagte.

Auf Nachfrage räumt Huml ein: "Diese E-Mail ging an unser Haus." Sie bleibt aber bei der Aussage, dass "die Gesamtsituation" der Probleme erst zwei Tage später deutlich geworden sei - trotz der 338 positiv getesteten Menschen, die in der Mail genannt sind. Es gebe "nichts, wo man irgendwas verschleiern oder verzögern wollte", sagt Huml.

Noch am vergangenen Donnerstag hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) seiner Gesundheitsministerin trotz der Testpanne das Vertrauen ausgesprochen. Er sprach von einem "schweren Fehler" und bereits zu diesem Zeitpunkt von einem Problem, das "zu spät übermittelt" worden sei. Zwei Rücktrittsgesuche seiner Ministerin lehnte Söder nach eigener Aussage ab.

Ihre Ankündigung, alle Infizierten zu informieren, konnte Huml jedoch nicht einlösen. Die Suche nach den noch übrigen 46 Personen, die nicht ermittelt werden konnten, hat ihr Ministerium inzwischen offenbar eingestellt. Deren Daten seien "ohne Erfolg überprüft worden", teilte ein Sprecher mit. An diesem Mittwoch muss sich Huml in einer Sondersitzung des Gesundheitsausschusses im bayerischen Landtag für die Probleme mit den Corona-Tests rechtfertigen.

© SZ vom 19.08.2020

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