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Baden-Württemberg:Lehrer uneins über Schulöffnung

Eine repräsentative Umfrage unter Lehrkräften im Südwesten ergab: Viele fürchten sich vor einer vollständigen Öffnung des Schulbetriebs nach den Sommerferien.

Fast ein Drittel der Lehrer in Baden-Württemberg hält die vollständige Wiedereröffnung der weiterführenden Schulen nach dem Sommer für übereilt. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage unter Lehrern hervor, die der Landesverband Bildung und Erziehung (VBE) beim Meinungsforschungsinstitut Forsa in Auftrag gegeben hat. 300 Lehrkräfte wurden dafür in der ersten Juliwoche befragt. Die Studie ist laut VBE für Baden-Württemberg repräsentativ. 31 Prozent der Befragten waren der Meinung, man sollte mit dem Regelbetrieb nach den Sommerferien noch abwarten. 39 Prozent sagten außerdem, man hätte die Grundschulen nicht vor den Sommerferien vollständig öffnen sollen - dort läuft der Regelbetrieb seit 29. Juni. Das Kultusministerium interpretierte die Zahlen jedoch positiv: Die große Mehrheit der Lehrkräfte befürworte ja den Regelbetrieb nach den Sommerferien.

Alarmierend ist aus Sicht des VBE, dass die Arbeitsbelastung durch den Wechsel zwischen Präsenzunterricht und Vorbereitungen für das selbständige Lernen zu Hause steigt. "Viele Lehrkräfte sind in den letzten Wochen weit über ihr Deputat hinausgegangen, um dies alles leisten zu können", kritisierte der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand. An den Grundschulen sei die Belastung trotz des vollständigen Präsenzbetriebs ebenfalls gestiegen. Lehrer müssten auch in den Pausen bei ihren Klassen bleiben, weshalb sie praktisch keine eigenen Pausen mehr hätten.

Ein Drittel der Befragten gab an, dass sie sich nicht ausreichend vor dem Coronavirus geschützt fühlten. Und mehr als 70 Prozent würden sich auf freiwilliger Basis gerne regelmäßig testen lassen. Dieser Wunsch ist schon länger bekannt und wird teilweise erfüllt: Die grün-schwarze Landesregierung hat diese Woche angekündigt, dass sie zum Schuljahresbeginn kostenlose Tests ermöglichen werde. Die geplante Maskenpflicht an weiterführenden Schulen wird vom VBE begrüßt. Er wünscht sich aber, diese "auf alle direkten Interaktionen zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern auszuweiten". Kritik übten 40 Prozent der Befragten an der Ausstattung von Lehrern und Schülern für den digitalen Unterricht. Das Land will den Schulträgern 130 Millionen Euro, die zur Hälfte vom Bund stammen, zur Verfügung stellen, um 300 000 Laptops und Tablets zu kaufen. Laut Ministerium sollen auch Lehrer diese Computer ausleihen können.

© SZ vom 17.07.2020 / dpa, SZ

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