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Baden-Württemberg:Günther Oettinger und der "Fettnapf-ICE"

Er regiert ein reiches Bundesland, er kennt sich aus mit Finanzthemen und hat gesellschaftspolitisch zeitgemäßere Ansichten als Roland Koch. Oettinger könnte so stark sein wie kaum jemand in der Union. Er ist aber so schwach wie kaum ein anderer.

Am Ende musste Günther Oettinger lachen, weil man bei solchen Veranstaltungen lachen muss. Das gehört zum Programm. Am Dienstagabend bekam der Ministerpräsident von Baden-Württemberg in Tübingen die "Narrenschelle" der Schwäbisch-Alemannischen Narrenvereinigung verliehen, die Laudatio hielt der frühere Grünen-Politiker Rezzo Schlauch, ein Freund von Oettinger, der ihm bescheinigte, der "Narr des Jahres" zu sein. "Der Tritt in den stinknormalen Fettnapf ist doch wirklich dein Metier", sagte Schlauch.

Günther Oettinger erhält Besuch von den Hexen aus Bräunlingen in seinem Amtssitz, der Stuttgarter Villa Reitzenstein.

(Foto: Foto: dpa)

Am Mittwoch waren die Narren dann im Staatsministerium und reimten: "Bitte, Oettinger, erlös uns von diesen Qualen und denk dran, bald sind wieder Wahlen". Und wieder musste Günther Oettinger lachen. Bei solchen Veranstaltungen, wird oft heftig übertrieben, werden die Schwächen und Ausrutscher von Personen überzeichnet. Bei Günther Oettinger war es eher so, dass man nur auflisten musste, was ihm im vergangenen Jahr so passiert ist: Filbinger-Rede, öffentlicher Ehekrach, die Verabschiedung seines Finanzministers und so weiter. Da kann man lachen, muss man aber nicht.

Kein Merz-Nachfolger

Günther Oettinger ist nun seit April 2005 Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Anfangs galt er als möglicher Nachfolger von Friedrich Merz, dem sogenannten Finanzexperten der CDU, der gerade begann, sich selbst zu demontieren. Oettinger ist nicht der neue Merz geworden. Niemand wurde der neue Merz, es blieb einfach eine Lücke.

Aber damals war Oettinger zumindest noch im Gespräch, heute fragt kaum jemand, ob Oettinger nicht in die Position vorstoßen könnte, die sich durch die Wahlniederlage von Roland Koch anbietet. Rein formal gesehen wären die Voraussetzungen da, könnte Oettinger einer der starken Landesfürsten werden, die es in der CDU lange gab, deren Wort in Berlin Gewicht hat: Der 54-Jährige ist Ministerpräsident eines großen Flächenlandes mit beeindruckender Wirtschaftskraft und hat bei der Landtagswahl 2006 ein gutes Wahlergebnis erzielt.

Er kennt sich aus mit Finanzthemen und hat gesellschaftspolitisch vielleicht zeitgemäßere Ansichten als Roland Koch. Oettinger könnte so stark sein wie kaum jemand in der Union. Er ist aber so schwach wie kaum ein anderer. Beim Fasching nannte man ihn den "Fettnapf-ICE".

Lesen Sie auf Seite 2, in welche Fettnäpfchen Oettinger außerhalb der Kernarbeitszeit tritt