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Antisemitismus:Jugend schützt vor Torheit nicht

Pflichtbesuche in Gedenkstätten sind nötig.

Die sogenannte Mitte-Studie zeigt, dass der Nationalsozialismus in Teilen der deutschen Gesellschaft seinen Schrecken verloren hat. Der moderne Antisemitismus ist längst in der Mitte angekommen. Nicht nur wünscht sich immerhin jeder Zehnte einen "Führer", der Deutschland "mit starker Hand regiert". Auch setzen mehr als ein Drittel die Verbrechen des Nationalsozialismus mit Handlungen des Staates Israel gleich und stimmen der Aussage zu, was Israel mit den Palästinensern mache, sei "auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben".

Natürlich ist nicht jede Kritik an Israel antisemitisch. Solche Vergleiche sind aber völlig fehl am Platz und ein makabrer Versuch, deutsche Schuld kleinzureden.

Verglichen mit anderen Altersgruppen stimmen die Jüngeren am häufigsten Aussagen zu, die den Nationalsozialismus verharmlosen. Dass gerade die junge Generation dazu beiträgt, den Holocaust zu verharmlosen, ist beschämend: Es zeigt, dass die Befassung mit den Taten der Deutschen im Dritten Reich nicht intensiv genug ist. Die Debatte um Pflichtbesuche für Schüler in KZ-Gedenkstätten muss konsequenter geführt werden. Es wäre wünschenswert, dass jeder Deutsche einmal eine Baracke aus jener Zeit betritt oder sich auf dem Appellplatz mit der Geschichte auseinandersetzt.

© SZ vom 26.04.2019
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