Aktuelles Lexikon Wikipedia

Nach holprigem Start überzeugt die Netz-Enzyklopädie heute.

Von Matthias Drobinski

Ein schöner Name, dachte sich der amerikanische Programmierer Ward Cunnigham, als er am Flughafen Honolulu in den Bus stieg: "Wiki Wiki" hieß die Linie, Hawaiianisch für: "schnell, schnell". WikiWikiWeb nannte er 1995 seine Plattform, die erstmals von Nutzern gestaltet werden konnte. Bekannt wurde der Begriff durch Wikipedia, die weltweit verfügbare Enzyklopädie, mit der die Entwickler Jimmy Wales und Larry Sanger am 15. Januar 2001 online gingen. Wales und Sanger setzten auf die Schwarmintelligenz der Nutzer. Jeder sollte hier sein Wissen verfügbar machen, Artikel anlegen, ergänzen, verbessern. Das führte zunächst zu einigen Problemen: Artikel waren ungenau, gar falsch, Autoren veränderten eigenmächtig Texte, digitale Vandalen machten Einträge unbrauchbar. Ein ausgeklügeltes Kontrollsystem hat die Qualität deutlich verbessert; Wikipedia kann heute teilweise mit großen lexikalischen Werken mithalten. Die englische Ausgabe listet fast sechs Millionen Artikel, die deutsche, weltweit die viertgrößte Wikipedia-Edition, knapp 2,3 Millionen. In Deutschland allerdings suchten Schüler wie Lehrer, Journalisten wie Professoren am Donnerstag vergebens nach der schnellen Info: Aus Protest gegen das geplante neue Urheberrecht blieb die deutsche Wikipedia-Präsenz diesen Tag offline.