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Aktuelles Lexikon:Volkszählung

Wenn ein Staat wissen möchte, wie viele Menschen ihn bewohnen, dann passiert immer wieder Erstaunliches.

Von Paul Munzinger

Wenn ein Staat wissen möchte, wie viele Menschen ihn bewohnen, dann passiert immer wieder Erstaunliches. Die Volkszählung zum Beispiel, die der römische Kaiser Augustus einst anordnete, veranlasste laut christlicher Überlieferung Maria und Josef zu einer Reise nach Bethlehem. Dort kam dann in einem Stall Jesus Christus zur Welt. Die für das Jahr 1983 geplante Volkszählung in der Bundesrepublik Deutschland wiederum regte so viele Menschen auf, dass sie erstens um vier Jahre verschoben wurde und das Bundesverfassungsgericht zweitens das Recht auf informationelle Selbstbestimmung erfand. Erst 2011 fand wieder eine Volkszählung in Deutschland statt, die sich vor allem auf den Datenaustausch unter den Behörden stützte, um Grundrechte zu schonen und Kosten zu sparen. Eine Überraschung gab es dennoch: Der Zensus ergab eine Bevölkerung von 80,2 Millionen - 1,5 Millionen weniger als gedacht. Die nächste Auflage des großen Zählens, dem es nicht nur um Menschen geht, sondern auch um Häuser und Wohnungen, sollte eigentlich 2021 stattfinden. Doch der Bundestag hat die Volkszählung nun um ein Jahr verschoben. Der Grund: natürlich Corona. Das Personal in den Statistischen Ämtern sei für andere Dinge gebraucht worden - zum Beispiel die Unterstützung der Gesundheitsämter.

© SZ vom 07.11.2020
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