Aktuelles Lexikon Schwarze Null

In Deutschland wird sie geliebt, im Ausland gefürchtet.

Von Cerstin Gammelin

Zu den Einzigartigkeiten der Bundesrepublik gehören tempolimitlose Autobahnen, unendliche Sorten von Würstchen oder die Wiesn. In den letzten Jahren ist eine Besonderheit dazugekommen. Die Schwarze Null. Der Unterschied zu Autobahnen, Würstchen und Bier ist allerdings, dass die in Deutschland regelrecht verehrte Null im Ausland eher geschmäht oder gefürchtet wird. Je mehr woanders der Kopf geschüttelt wird, desto beliebter wird sie daheim. Es ist keine zwei Jahre her, da geriet die Null sogar zu einem pompösen Abschiedsgeschenk: Die Mitarbeiter im Bundesfinanzministerium stellten sich im Hof des traditionsreichen Hauses in der Berliner Wilhelmstraße zu einer solchen auf - als Dankeschön an den scheidenden Minister Wolfgang Schäuble. Das Fotomotiv rauschte durchs Netz als Beleg für deutsche Sparsamkeit. Weil die Null dem Vorgänger von der CDU so viel Glanz verliehen hat, lässt auch der jetzige Minister von der SPD, Olaf Scholz, seine Mitarbeiter hart daran arbeiten, dass der Bundeshaushalt ausbalanciert bleibt: Er lässt nur so viel Geld ausgeben, wie er einnimmt; die Bundesrepublik macht keine zusätzlichen Schulden, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Und so schreibt sie, der vor zehn Jahren ins Grundgesetz aufgenommenen "Schuldenbremse" folgend, unterm Strich: eine Schwarze Null.