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Aktuelles Lexikon:Hammerexamen

Angehende Ärzte sollen ganz schnell im Kampf gegen das Coronavirus eingesetzt werden. Das hat seinen Preis.

Das ist der Hammer; der hat einen Hammer; zwischen Amboss und Hammer; am Arsch hängt der Hammer ... Etwas Derbes haftet naturgemäß dem Schlaginstrument des Arbeiters an, weshalb es sich als Sinnbild für eindrucksvolle Zustände oder Vorgänge eher im Bereich der Kraftausdrücke als in akademischen Gefilden andient. Doch es gibt Ausnahmen. Als die erste rot-grüne Bundesregierung im Jahr 2002 die Approbationsordnung für Humanmediziner änderte, hatte das für Studierende gravierende Folgen: Die enorm anspruchsvolle schriftliche und die mündlich-praktische Prüfung, bis dato getrennt vor und nach dem Praktischen Jahr (PJ) abzulegen, wurden zu einem einzigen Staatsexamen nach Abschluss des PJ vereint. Schnell bürgerte sich das Wort "Hammerexamen" dafür ein, erhöhte es doch den Lernstress werdender Ärzte immens. Weshalb nicht verwundert, dass die neue Regel es nie zu großer Beliebtheit brachte - und 2012 von Schwarz-Gelb wieder abgeschafft wurde. Nun aber demonstrieren Bayern und Baden-Württemberg, wo der Hammer hängt: Sie verlegen die schriftliche Prüfung um ein Jahr, damit Ärzte in spe jetzt sofort ins PJ wechseln können, um Kliniken im Kampf gegen Corona zu helfen. Es ist, wenn auch nur für ein Jahr, die Rückkehr zu einem Examen, das der Hammer ist.

© SZ vom 09.04.2020
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