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Aktuelles Lexikon:Fingerabdruck

Er bildet sich bereits im Mutterleib und bleibt ein Leben lang gleich. Warum er aber bei jedem Menschen anders aussieht, ist in der Wisschenschaft noch nicht geklärt.

Von Julian Rodemann

Bereits im 17. Jahrhundert entdeckte der britische Arzt Nehemiah Grew, dass sich Menschen in ihren Fingerabdrücken unterscheiden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts überführten Polizisten schließlich erstmals Straftäter anhand ihrer Papillarleisten, wie die charakteristischen Linien in der Haut auf der Handinnenseite genannt werden. Bis heute wurde kein Fingerabdruck entdeckt, der die Unterseite der Fingerkuppen von mehr als einer Person ziert, auch wenn das theoretisch möglich wäre. Selbst eineiige Zwillinge haben zwar ähnliche, aber unterschiedliche Papillarleisten. Das liegt daran, dass das Erbgut den Verlauf der Erhebungen auf der Haut zwar beeinflusst, aber nicht vollständig vorgibt. Wieso die Papillarleisten bei jedem Menschen anders wachsen und welche Faktoren das beeinflussen, ist in der Wissenschaft noch nicht abschließend geklärt. Fest steht: Der Fingerabdruck bildet sich bei Babys bereits im Mutterleib und bleibt dann ein Leben lang gleich. Diese Eigenschaften machen die optisch eher unscheinbaren Papillarleisten zu einem beliebten Instrument der Kriminalistik. Sie sind mit der Grund, weshalb von August des kommenden Jahres an in allen neu ausgestellten Personalausweisen zwei digitale Fingerabdrücke gespeichert werden sollen - zum Missfallen vieler Datenschützer.

© SZ vom 11.09.2020
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