Aktuelles Lexikon Darts

Ein Kneipensport, der es ins Fernsehen geschafft hat.

Von Carsten Scheele

Zwischen Snooker und Darts, den beiden Kneipensportarten, die es ins Fernsehprogramm geschafft haben, könnte der ästhetische Unterschied kaum größer sein. Snookerspieler ziehen sich schick an, Sakko und Fliege sind Pflicht, stoßen sie eine Kugel, herrscht absolute Ruhe. Wenn an diesem Donnerstag im Londoner Alexandra Palace die Darts-WM beginnt, wird das komplette Gegenteil der Fall sein. Hier ist Party angesagt, das Publikum tanzt, trinkt und grölt, viele kommen verkleidet. Der Boden klebt vom Bier, das verschüttet wird. Die Spieler sind auch nicht schick, eher etwas derb, grellfarbige Hemden spannen über ihren Bäuchen. Bis ins 20. Jahrhundert gab es in England noch Debatten darüber, ob Darts nun ein Geschicklichkeits- oder ein Glücksspiel sei. Die Pfeile wurden anfangs auf die Böden alter Bierfässer geworfen. Eine moderne Dartscheibe besteht aus Sisalfasern und ist in 82 Segmente unterteilt, in der Mitte das Feld mit dem symbolträchtigsten Punktewert: Bull's Eye (auch Inner oder Double Bull bzw. Bull's Eye), 50 Punkte. Größter Wert jedoch ist im oberen Teil der Scheibe die Triple 20 mit 60 Punkten. Der Sport hat die Pubs längst hinter sich gelassen, die besten Spieler sind Millionäre, zur WM kommen 2500 Fans, Abend für Abend, Millionen verfolgen sie vor den Fernsehern. Aus Ronnie O'Sullivan, dem besten Snookerspieler der Welt, spricht deshalb auch der Neid, wenn er sagt: "Dartsspieler sind die neuen Rockstars."

Korrektur: In einer früheren Version haben wir fälschlicherweise das Bull's Eye als größten Wert bezeichnet.