Agrarpolitik Zahmes Buch

Minister Christian Schmidt nimmt die Strukturen der Landwirtschaft hin, statt gegenzusteuern.

Von Markus Balser

Im Januar nimmt die Show wieder ihren Lauf. Auf der Agrarmesse "Grüne Woche" werden Ferkel auf Stroh stehen und Kühe putzige Namen tragen. Doch immer mehr Deutsche glauben den Botschaften der Branche nicht länger. Denn immer seltener dürfen Rinder oder Schweine in deutschen Ställen wirklich noch Naturprodukte sein. Zu häufig sind sie mit Antibiotika vollgestopfte Hochleistungsmaschinen.

Der Ruf der Agrar- und Fleischindustrie ist schlecht. Weil sich im Grundwasser rekordverdächtige Düngemittelrückstände finden. Weil in Eiern Dioxin und in Obst und Gemüse Pestizide stecken. Die Herstellung von Nahrungsmitteln beruht auf eklatanten Defiziten beim Tier- und Umweltschutz. Agrarminister Christian Schmidt wollte nun mit einem Grünbuch gegensteuern; einem Fahrplan für eine neue Agrarpolitik. Doch der große Wurf ist dem CSU-Politiker damit nicht gelungen. Der Plan des Ministers, der gerade ein Verbot der Bezeichnung "vegane Currywurst" sowie mehr Schweinefleisch an Schulen gefordert hat, bleibt etwa beim Tierschutz zahm: Schärfere Gesetze sind nicht vorgesehen, freiwillig sollen Hersteller bessere Bedingungen schaffen - das wird aber schon deshalb nicht funktionieren, weil viele Verbraucher noch immer mehr auf den Preis als auf nachhaltige Produktion achten (egal wie skeptisch sie auf die Bauern schauen). Den Streit um die Landwirtschaft wird das Grünbuch nicht befrieden.