Afrikanische Union:Auf die Anklagebank gezwungen

Der ehemalige Diktator Tschads, Hissène Habré, steht in der senegalesischen Hauptstadt Dakar vor Gericht. Während seiner Herrschaft, von 1982 bis 1990, ließ er 40 000 Menschen töten.

Von Tobias Zick, Kapstadt

Man musste ihn zwingen, sich die Namen der Opfer anzuhören und die Schilderungen der Gräueltaten, für die er verantwortlich sein soll. Hissène Habré, Ex-Diktator Tschads, steht wieder in der senegalesischen Hauptstadt Dakar vor einem Sondergericht der Afrikanischen Union (AU) - der Prozess hatte am 20. Juli begonnen, war dann aber unterbrochen worden, nachdem Habré sich körperlich dagegen wehrte, dem Richter vorgeführt zu werden, und Parolen wie "Nieder mit den Verrätern, nieder mit den Imperialisten!" rief. Seine Anwälte waren nicht zur Eröffnungssitzung erschienen, daraufhin ernannte das Gericht Pflichtverteidiger, die 45 Tage Zeit bekamen, um sich vorzubereiten.

Unter Habrés Herrschaft starben 40 000 Menschen

Nun verfolgt der Angeklagte offenkundig weiter die Strategie, die Arbeit des Gerichts zu sabotieren. Als der Prozess fortgesetzt wurde, mussten ihn Sicherheitskräfte wieder gewaltsam in den Gerichtssaal führen und ihn dort festhalten, während die Anklage die Namen mutmaßlicher Opfer verlas. Am Dienstag folgten Einblicke in die Details von Habrés Schreckensherrschaft: eine schriftliche Notiz etwa, in der er verfügt hatte, dass "Kriegsgefangene von nun an nur noch im Todesfall das Gefängnis verlassen werden". Schilderungen von Überlebenden zufolge wurden Gefangene mit Elektroschocks und Schlägen gefoltert oder gezwungen, Autoabgase einzuatmen, bis sie in Ohnmacht fielen. Tote wurden aus überfüllten Gefängniszellen erst nach mehreren Tagen entfernt.

Wegen der herausragenden Brutalität seiner Herrschaft wurde Habré auch der "Pinochet Afrikas" genannt. Mit Hilfe der USA und Frankreichs war er 1982 an die Macht gekommen und regierte bis 1990. Den Erkenntnissen einer Wahrheitskommission in Tschad zufolge ließ er in diesem Zeitraum 40 000 Menschen töten und etliche weitere foltern. Nach seinem Sturz war Habré nach Senegal geflohen, dessen damalige Regierung ihn vor Verfolgung schützte. Erst der jetzige, seit 2012 amtierende Präsident Macky Sall machte den Weg für das Gerichtsverfahren frei. Menschenrechtler feiern den Prozess deshalb als Meilenstein.

© SZ vom 09.09.2015
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