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Afghanistan:US-Soldaten vertuschten Tod von drei Frauen

Zwei Monate nach einer Razzia gibt die Nato den Tod von drei Zivilistinnen zu, darunter zwei Schwangere. Die Kugeln wurden offenbar aus den Leichen entfernt.

C. Wernicke

US-Sondereinheiten haben bei einer nächtlichen Razzia im Februar fünf unschuldige Afghanen erschossen und anschließend offenbar versucht, zumindest Spuren für die Tötung von drei Frauen zu vertuschen. Nach Informationen der britischen Times sollen die US-Soldaten die tödlichen Kugeln mit Messern aus den Körpern ihrer Opfer entfernt und die Schusswunden mit Alkohol ausgewaschen haben.

Ein Nato-Sprecher bedauerte in der Nacht zum Montag den Vorfall. General Stanley McChrystal, der Nato-Kommandeur in Afghanistan, hatte während der laufenden Ermittlungen im März bereits angeordnet, die bis dahin unabhängig agierenden US-Elitesoldaten für sogenannte "Spezial-Operationen" direkt seinem Befehl zu unterstellen.

Bis zum Wochenende hatten Sprecher der internationalen Schutztruppe Isaf nur eingeräumt, bei der Schießerei am 12. Februar in einem Dorf bei Gardez, hundert Kilometer südlich von Kabul, seien zwei unschuldige Männer erschossen worden. Gemäß dieser Version waren die US-Truppen zusammen mit einer Spezialeinheit der afghanischen Polizei Hinweisen nachgegangen, in der Hofanlage einer Großfamilie hielten sich Taliban versteckt. Sie eröffneten das Feuer, als in der Nacht zwei Menschen in den Innenhof traten. Anschließend mussten die Soldaten feststellen, dass sie den lokalen Polizeichef sowie den Bezirksstaatsanwalt niedergestreckt hatten.

Bisher hatte das Nato-Kommando jede Verantwortung für den Tod von drei Frauen bestritten. Ein US-Sprecher betonte im Februar, man bedauere nur den Tod der beiden Männer und habe keinerlei Erklärung für das Schicksal der drei Frauen: "Ich weiß nichts Gerichtsmedizinisches, das zeigt, dass es Einschussstellen oder Blutspuren dieser Frauen gibt." Von US-Seite wurde zunächst verbreitet, die drei Opfer - ein 19-jähriges Mädchen, eine schwangere Mutter von zehn Kindern sowie eine ebenfalls schwangere Mutter von sechs Kindern - seien im Innern des Hauses gefesselt, geknebelt und "seit mehreren Stunden tot" aufgefunden worden. Später hieß es korrigierend, die drei Frauen seien in traditioneller Weise aufgebahrt gewesen und hätten Spuren von Messerstichen aufgewiesen.

Nun bestätigt die Nato, dass die drei Frauen bei Schüssen auf die beiden Männer ums Leben kamen. Nach Informationen der Times erheben afghanische Ermittler zugleich schwerste Vorwürfe gegen zwei US-Soldaten. Die Amerikaner hätten die tödlichen Kugeln aus den Wunden entfernt, ebenso hätten sie Blut- und Schussspuren von den Wänden gewaschen. "Die Spezialkräfte haben General McChrystal belogen", zitiert die Zeitung einen hohen afghanischen Beamten.

© SZ vom 06.04.2010

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