Affäre um Riexinger:Peinlich und populistisch

Mit dem Wort "erschießen" macht man keine politischen Witze. Der Chef der Linken hat mangelndes Gespür für den Ernst der Lage gezeigt und sich zu spät entschuldigt. Aber was manche Kritiker ihm nun unterstellen, ist hanebüchen.

Von Boris Herrmann

Noch mehr als zu anderen Zeiten sollten Demokraten in diesen Tagen auf ihre Wortwahl achten. Bernd Riexinger, Parteichef der Linken, hat das nicht getan. Er hat auf eine vollkommen inakzeptable Wortmeldung bei einer Strategiekonferenz zunächst mit einem schlechten Scherz reagiert. Und dafür hat er sich wiederum zu spät entschuldigt. Das ist mehr als eine Kommunikationspanne. Es zeugt von mangelndem Gespür für den Ernst der Lage im vergifteten öffentlichen Klima, dass Riexinger das Wort "erschießen" lächelnd übergangen hat.

Ob der Redebeitrag womöglich eine Spur krude Ironie enthielt, weil er von einer Genossin mit Vergangenheit in einer Satirepartei stammte, spielt keine Rolle. Wenn in seiner Partei über Gewaltfantasien gegen Reiche schwadroniert wird, ist es die Pflicht des Chefs, das umgehend und unmissverständlich zu verurteilen.

Es vergreifen sich aber auch jene in der Wortwahl, die ihm anhängen wollen, er habe "Arbeitslager" für Reiche gefordert. Das hat er mitnichten getan. Gewerkschaftsfunktionär Riexinger ist bei den Linken der Letzte, dem man unterstellen könnte, er träume von einer blutigen Revolution. In seinen Träumen dürfte es eher von flächendeckenden Tarifverträgen wimmeln. So peinlich sein Witz war, so schäbig ist der Versuch, das populistisch auszuschlachten.

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