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AfD im Europawahlkampf:Geschickte Netzwerkerin in der stramm konservativen Wählerschaft

In einem Brief an Erzbischof Robert Zollitsch klingt das anders. Darin beschwert sich Storch, Zollitsch würde weder die Grünen noch die Piraten dafür kritisieren, dass diese sich für die Homo-Ehe einsetzten. "Für die AfD ist zum Beispiel Familie die Keimzelle der Gesellschaft, also Vater, Mutter Kind."

Storch stört sich insbesondere am "Gender-Mainstreaming", an Maßnahmen also, die auf die Gleichstellung von Frauen und Männern in Beruf und Entscheidungsprozessen abzielen. Sie sieht dahinter einen Angriff auf "die Natur des Menschen", in e iner Videobotschaft setzt sie sich für ein "Familien-Mainstreaming" ein.

Storch tritt als Sprecherin der Zivilen Koalition auf. Dahinter steckt ein strammkonservatives, aktives Netzwerk, das Häusler zufolge maßgeblich zum Erfolg der AfD beigetragen haben dürfte. Der Bund freier Bürger, eine Vorgängerorganisation der AfD, habe bei weitem nicht deren Bekanntheitsgrad erreicht. Der AfD-Sprecher bestreitet dies. Die Zivile Koalition spiele für die Partei keine Rolle.

Nach eigenen Angaben soll das Protestunternehmen bis zu 100.000 Unterstützer haben, ehemaligen Mitarbeitern zufolge soll die Zahl allerdings weit niedriger liegen, schreibt der Tagesspiegel. Auf Internetseiten, die dieses Protestunternehmen betreibt, werden Haltungen vertreten, die die Welt aus Sicht der Schöpfungsgeschichte erklären. Transsexualität und Intersexualität existiert für diese Kommentatoren nicht.

Lucke stört das nicht, man könne schließlich nicht alles kontrollieren, was die Leute so im Internet posten. Nach Angaben seines Sprechers schätze Lucke die Kandidatin. In einer Stellungnahme würdigt er ihr Engagement in der Zivillen Koalition. Sie habe sich dadurch "zu Recht hohes Ansehen" erworben.

Als Zeichen dafür, dass der AfD die Liberalen davonlaufen, wird in Berichten häufig der Rücktritt der früheren Pressesprecherin Dagmar Metzger von ihren Bundesmandaten gewertet. Möglicherweise aber stecken dahinter ganz Gründe: Metzger hat eine Stiftung initiiert, die sich auf Euro-Skepis fokussieren und die "AfD wohlwollend unterstützen" will, wie sie dem Handelsblatt mitteilte. Die Gründer- und Vorstandsmitglieder der Stiftung gehören alle der AfD an. Die Partei selbst betont aber, dass es sich um keine parteinahe Stiftung im Sinne des Parteiengesetzes handele. Parteinahe politische Stiftungen müssen unabhängig sein. Denn wenn es eine personelle Überschneidung von Parteiamt und Stiftungsamt gibt, dann käme dies einer illegalen Parteienfinanzierung gleich.