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Ärger um MLPD-Wahlplakate:Was haben Sie sich denn dabei gedacht, Herr Rogowski?

Michael Rogowski

Der Ex-Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, 75, hängte Wahlplakate der MLPD einfach ab.

(Foto: dpa)

"Nur meine Frau wusste Bescheid": Der ehemalige Verbandschef der deutschen Industrie hat marxistische Wahlplakate vor seinem Haus nicht ertragen - und abgehängt. Mit der SZ spricht Michael Rogowski über "inneren Zorn" und seine bisherigen Kontakte mit Kommunisten.

Von Martin Zips

Weil er die Wahlplakate der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD, ) vor seinem Haus nicht ertragen konnte, hängte der Ex-Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Michael Rogowski, 75, diese einfach ab.

Herr Rogowski, was haben Sie sich denn dabei gedacht?

Hören Sie, in der Straße, in der ich in Heidenheim gleich neben meiner alten Firma wohne, da findet sich nur ein einziges Plakat einer demokratischen Partei. Und zwar der SPD. An jedem anderen Laternenpfahl hängen Plakate der MLPD. Und immer, wenn ich das Haus verlasse, starre ich auf so 'ne Knarre oder auf den Che Guevara. Da krieg ich doch einen inneren Zorn.

Das muss man schon aushalten. Ich muss mir auch jeden Morgen Republikaner-Plakate am Grünstreifen ansehen.

Wir haben es doch schon einmal zugelassen, dass eine als Splittergruppe betrachtete Partei plötzlich die Macht über unser Land hatte. Und bereits mein Vater sagte: "Wehret den Anfängen!"

Wie genau sind Sie vorgegangen?

Ich habe abends zwei Plakate abgehängt und diese bei mir im Keller verstaut. Nur meine Frau wusste Bescheid.

Und dann?

Ein paar Tage später komme ich wieder aus dem Haus und sehe, wie jemand neue Plakate aufhängt. Da hab ich den angesprochen. Der fragte mich: "Ach, haben Sie die vielleicht abgemacht?" Da hab ich geantwortet: "Jawoll. Da steh ich auch zu."

Herr Rogowski, Sie können sich doch denken, dass das Folgen hat.

Drei Tage später rief mich die Polizei an, wegen der Anzeige, die in der Sache gegen mich vorliegt. Der habe ich dann alles erklärt und gesagt, dass ich dazu stehe. Die Polizei hat die Wahlplakate daraufhin aus meinem Keller wieder abgeholt. Jetzt werd' ich wahrscheinlich ein Bußgeld zahlen müssen. Oder ins Gefängnis gehen.

Auf was schauen Sie denn heute so, wenn Sie aus dem Haus gehen?

Immer noch auf MLPD-Plakate! Aber ich drehe die immer so um, dass sie nicht auf mich starren. Gut, nach ein paar Stunden ist alles wieder so, wie es vorher war.

Man möchte Sie gezielt provozieren?

Natürlich möchte man das. Ich weiß von der Stadt Heidenheim, dass die Parteien aufhängen dürfen, wo sie wollen. Aber es muss ja nicht in meiner Straße sein.

Gut, dass schon bald gewählt wird. Danach haben Sie sicher mehr Ruhe.

Wer Stalin und Mao gutheißt, der hebt Massenmörder auf seine Fahnen! Gegen Extremisten muss man natürlich was unternehmen - egal, ob sie nun links oder rechts stehen. Bei mir in der Firma waren schon immer Kommunisten. Auch im Betriebsrat. Über Jahrzehnte habe ich versucht, deren Position aufzuweichen. Aber die sind ideologisch viel zu festgefahren. Schon als Studenten haben wir übrigens Veranstaltungen gestört, bei denen Kommunisten aufgetreten sind. Teilweise erfolgreich, eine musste abgebrochen werden.

Das klingt jetzt aber auch ein bisschen ideologisch. Außerdem ist die MLPD ja zur Wahl zugelassen und nicht verboten. Sollte man das nicht akzeptieren, als überzeugter Demokrat?

Moment. Zu Freiheit gehört immer auch Verantwortung - und diese Verantwortung spüre ich gerade. Als Unternehmer bin ich zudem jemand, der gerne schnell entscheidet und nicht sehr geduldig ist.

Ist Reichtum in Deutschland Ihrer Meinung nach gerecht verteilt?

Natürlich gibt es auch Armut, die weh tut. Und es gibt Reichtum, der sich um nichts kümmert. Ich würde aber sagen: Im Weltvergleich stehen wir noch ganz gut da. Und Leistung, davon bin ich überzeugt, sollte ein wesentliches Element unseres Lebensinhaltes bleiben.

Nehmen wir den DHL-Paket-Austräger. Der leistet viel, kriegt aber nur wenig.

Wenigstens hat er einen Arbeitsplatz! Natürlich geht es mir um Verteilungsgerechtigkeit. Aber mit dem Mindestlohn kriegt man die auch nicht hin. Vielleicht sollte ich einfach daheim die Rollläden runterziehen, damit ich die Kommunistenplakate nicht mehr sehen kann. Spielen Sie Skat?

Skat? Nicht so gut.

Schade, ich dachte nur, falls ich jetzt verurteilt werde und ins Gefängnis muss. Da hätten wir vielleicht mal miteinander spielen können.

© SZ vom 16.05.2014
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