20. November 2011, 14:58 Neue Verdächtige in Neonazi-Mordserie Terror-Trio soll mindestens fünf Helfer gehabt haben

Verfügte das Zwickauer Neonazi-Trio über ein ganzes Netzwerk an Unterstützern? Hinweise darauf gibt es in Sachsen. Fünf Menschen aus dem Erzgebirge sind in das Visier der Ermittler geraten. Zwei von ihnen werden sogar verdächtigt, an der scheußlichen "Pink Panther"-DVD mitgewirkt zu haben, auf der die Neonazis ihre Morde dokumentierten.

Die rechtsextreme Terrorgruppe NSU hatte offenbar mehr Unterstützer als bisher angenommen. Generalbundesanwalt Harald Range sagte am Freitag in Berlin, mindestens zwei weitere Verdächtige seien im Visier der Ermittler. In Sachsen ist sogar von fünf möglichen Helfern des Trios die Rede. Bund und Länder verständigten sich darauf, eine Zentraldatei über den Rechtsextremismus anzulegen. Polizei und Verfassungsschutz sollen enger kooperieren.

Das Zwickauer Haus in dem das Terror-Trio wohnte. Noch ist weitgehend unbekannt, was sich darin abspielte.

(Foto: dapd)

Die Innen- und die Justizminister aus Bund und Ländern sowie die Spitzen von Bundesanwaltschaft, Bundeskriminalamt (BKA) und Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) kamen am Freitag zu einer Sonderkonferenz in Berlin zusammen. Anschließend betonten Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und Justizministern Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), dass die Ermittlungen noch ganz am Anfang stünden. Friedrich räumte Pannen bei der Untersuchung der Morde ein, die dem Trio mit der selbst gewählten Bezeichnung "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) angelastet werden. Beide Minister verwahrten sich jedoch gegen den Verdacht, gegen Rechtsextremisten werde in Deutschland weniger intensiv ermittelt als gegen Linksradikale oder Islamisten. Nach SZ-Informationen wollte das BKA im Jahr 2005 das Verfahren wegen der Mordserie an sich ziehen, die betroffenen Bundesländer lehnten dies jedoch ab.

Laut Range ermitteln die Behörden derzeit gegen zwei weitere Verdächtige neben den beiden Beschuldigten, die in Untersuchungshaft sind. Letztere sind Beate Z., die das dritte Mitglied des NSU gewesen sein soll, sowie der mutmaßliche Unterstützer Holger G. Beate Z. verweigert nach Angaben ihres Anwalts weiter die Aussage.

Nach Meinung Leutheusser-Schnarrenbergers lassen die Morde Rückschlüsse auf ein nationalsozialistisches Netzwerk im Untergrund zu. So weit wollte Range noch nicht gehen. Derzeit werde gegen eine terroristische Vereinigung ermittelt. BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte, am Ende könnte sich die Unterstützerszene als ein Netzwerk erweisen.

Hinweise darauf gibt es in Sachsen. Danach sind fünf Bewohner von Johanngeorgenstadt im Erzgebirge als Unterstützer verdächtig. Dabei handelt es sich um eine Friseuse, einen Lkw-Fahrer sowie ein Ehepaar und den Bruder des Ehemannes. Die Friseuse könnte ihre Papiere für das Trio hergegeben haben; Z. hatte zeitweise deren Identität angenommen. Andre E. und seine Frau sollen über gute Computerkenntnisse verfügen und werden verdächtigt, an der DVD mitgewirkt zu haben, auf der das Terror-Trio anhand der Zeichentrickfigur "Pink Panther" seine Morde dokumentiert. Der Lkw-Fahrer Matthias D. soll die Zwickauer Wohnung des Terror-Trios angemietet haben. Eine weitere Spur führt nach Brandenburg, wo der Zwillingsbruder von Andre E. in der Untergrundgruppe "Nationale Bewegung" aktiv sein soll.

Zu den Ermittlungen wurden am Freitag neue Details bekannt. Danach sind bisher insgesamt sieben Bekenner-DVDs der Terroristen aufgetaucht, die in Deutschland versendet wurden; darunter eine, die ans türkische Generalkonsulat in München ging. Die bei den Morden verwendete Tatwaffe, eine Ceska, stammte von einem Waffenhändler in der Schweiz. Auch zu den Todesumständen der beiden Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gibt es neue Angaben. Danach tötete zunächst einer der beiden Männer den Kumpanen, ehe er sich selbst umbrachte. Zur sogenannten Todesliste sagte BKA-Präsident Ziercke, sie sei willkürlich zusammengestellt und ohne Substanz.