Weltmeisterschaft "Das ist wie mit Kaugummi-Blasen"

Am Wochenende entschied Kathleen Netzel die Ditsch-WM für sich.

(Foto: Ostseefjord Schlei GmbH/Mandy Lenz)

Sie hat neun Hüpfer geschafft: An der Ostsee traten am vergangenen Wochenende die besten "Stein-Ditscher" gegeneinander an. Ein Gespräch mit der Gewinnerin.

Interview von Marie Schiller

Fast jeder hat es schon einmal versucht: einen flachen Stein so auf das Meer zu werfen, dass er auf der Wasseroberfläche kleine Hüpfer macht. Ditschen nennt man das im Norden. In Damp an der Ostsee gab es am vergangenen Wochenende gar eine Ditsch-Weltmeisterschaft. Die Gewinnerin Kathleen Netzel erklärt, was das Steine-Springen ausmacht.

SZ: Herzlichen Glückwunsch. Mit wie vielen Sprüngen haben Sie gewonnen?

Kathleen Netzel: Ich habe neun geschafft.

Wie springt ein Stein möglichst oft über das Wasser?

Jeder hat seine eigene Technik. In einem relativ flachen Winkel werfen, die Beine ein bisschen einknicken.

Hört sich leicht an.

Übungssache. Das ist wie mit Kaugummi-Blasen.

Kathleen Netzel, 34, ist die neue Ditsch-Meisterin. Sie hat dieses Jahr zum ersten Mal an der Meisterschaft teilgenommen.Sie wohnt mit ihrem Mann und zwei Kindern an der Ostsee, wo sie im örtlichen Kindergarten arbeitet.

(Foto: privat)

Wie sind Sie zum Ditschen gekommen?

Das mache ich schon seit meiner Kindheit. Ich wohne in Steinbergkirche, das ist gleich an der Ostsee. Von meiner Wohnung bis zum Strand sind es vier, fünf Kilometer. Wenn ich spazieren gehe, hebe ich jeden Stein auf und schmeiße ihn ins Wasser. Und dann springt er immer öfter.

Haben Sie sich auf den Wettkampf vorbereitet?

Eigentlich gar nicht. Es war Zufall, dass mein Mann den Flyer in einem Restaurant entdeckt hat. Dann hat er gesagt: "Da melde ich dich an. Ich verliere eh immer gegen dich." Dann waren wir zufällig auch noch im Urlaub in Dänemark. Da sind ideale Steine. Da habe ich ein paar mitgenommen.

Wie muss so ein Stein aussehen?

Unterschiedlich. Auf jeden Fall muss so ein Stein flach sein. Oval, ein bisschen eiförmig. Rund wäre nicht verkehrt. Aber einen optimalen Stein gibt es nicht. Meinen Lieblingsstein aus Dänemark, von dem ich mir am meisten erhofft habe, steckte ich in meine Hosentasche und sagte mir: "Das ist mein letzter Wurf. Wenn alles schiefgeht, nimmst du den." Und der ging dann natürlich nach dem zweiten Sprung gleich unter. Was für eine Enttäuschung. Manche Teilnehmer haben mit richtigen Fliesenstücken geschmissen. Das sind aber keine Steine. Der Schiedsrichter hat das erlaubt. Aber solche Teile fliegen sowieso nicht gut.

Wie war es für Sie, statt in der Freizeit bei Weltmeisterschaften zu ditschen?

Erst mal ungewöhnlich, dieser Wettkampfcharakter. Ich war natürlich aufgeregt. Die ersten Steine gingen entweder gleich ins Wasser oder sind nur zwei, drei Mal gesprungen. Und das bei nur fünf Versuchen. Man kommt auch ins Schnacken mit den anderen Teilnehmern. Es war auch ein Amerikaner dabei, John Rapagelia aus New York. Ansonsten Leute aus der Gegend und Urlauber.

Wie ändert sich Ihr Leben jetzt, wo Sie plötzlich einen Weltmeistertitel haben?

Im Grunde gar nicht. Nächstes Jahr werde ich wieder antreten, um meinen Titel zu verteidigen.

Steinreich

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