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Verwirrter vor Haustür der Kanzlerin:"Stalker" mit Friedensplan

Der offenbar geistig verwirrte Mann, der der Bundeskanzlerin nachstellt, bezeichnet sich selbst als "Friedensaktivist". Der angebliche Ex-Journalist drang bereits mehrmals zu Angela Merkels Grundstück in Brandenburg vor.

Der offenbar geistig verwirrte Mann, der es bis an die Haustür der meistbewachten Frau der Republik schaffte, bezeichnet sich selbst als Friedensaktivist. Der Berliner Zeitung erzählte der sogenannte "Stalker der Bundeskanzlerin", er habe dieser einen von ihm erarbeiteten Friedensplan für den Nahen Osten übergeben wollen. Dieser sehe die Gründung eines palästinensischen Staates vor.

Merkel von 'Stalker' verfolgt

Der Begriff Stalker kommt aus dem Englischen und bedeutet "anpirschen". Immer wieder sind unter den Opfern auch Prominente, wie jetzt offenbar Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ihr Sprecher hält den Begriff zumindest nicht für "unangebracht".

(Foto: dapd)

Bei dem Mann handelt es sich nach Informationen der Zeitung um Christian J. aus Mecklenburg. Nach Informationen des Blattes arbeitete er schon als Bibliothekar in Stralsund und als freier Journalist.

Nach eigenen Angaben konnte er das Grundstück in der brandenburgischen Uckermark betreten, ohne dass dies von den wachhabenden Polizisten bemerkt wurde. Der Berliner Zeitung sagte er: "Da auf mein Klingeln an der Tür niemand geöffnet hat, bin ich in den Garten gegangen, wo ich die Kanzlerin antraf, die gerade ein Telefonat führte. Ich habe ihr einen Brief übergeben und bin dann wieder gegangen."

Die Polizei, die ihn beim Verlassen des Grundstücks beobachtete, habe ihn nicht aufgehalten. Grund für den zweiten Besuch war nach Angaben der Zeitung der Ärger des Mannes darüber, dass ihm die Kanzlerin nicht auf seinen Brief geantwortet habe.

Die Bild-Zeitung hatte zuvor berichtet, der Mann habe lediglich zweimal an der Haustür geklingelt - einmal, als Merkel selbst anwesend war. Ein anderes Mal habe sich nur ihr Ehemann Joachim Sauer in dem Haus aufgehalten.

Die von dem Mann beschriebene Begegnung im Garten wurde offiziell bislang nicht bestätigt, wohl aber, dass der Mann gleich mehrmals zum Refugium der Kanzlerin in Nordbrandenburg vordrang. Er verschaffte sich an den beiden vergangenen Wochenenden Zugang zu dem Grundstück - obwohl dieses rund um die Uhr von mindestens zwei Polizisten bewacht wird. Schräg gegenüber von Merkels Gebäude befindet sich das Quartier der Beamten.

Wie lange die Regierungschefin schon von dem etwa 45-Jährigen belästigt wird, blieb unklar. "Das Wort Stalker ist in diesem Zusammenhang nicht unangebracht", sagte ein Sprecher des Bundespresseamtes. Der Mann sei zuvor bereits vor Merkels Wohnhaus in Berlin von Polizisten abgewiesen worden. Doch erst am vergangenen Wochenende stoppten die Sicherheitsleute den Mann und ließen ihn in ein Krankenhaus einliefern, wo er seitdem in einer offenen psychiatrischen Abteilung mit Medikamenten behandelt wird - für wie lange, ist noch offen.

Nach eigenen Angaben hatte Christian J. bereits am Dienstag letzter Woche mehrere Bundestagsabgeordnete von seinem Besuch unterrichtet, darunter auch Ruprecht Polenz (CDU), den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses.

Wie der Mann trotz Bewachung so weit vordringen konnte, bleibt weiter ungeklärt.

© sueddeutsche.de/dapd/kat/jobr
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