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Verschwundene Passagiermaschine:Malaysias Militär will Flugzeug weitab der Route geortet haben

Verdächtiger Malaysia Airlines

Im Fokus: Ein Polizist hält die Überwachungskamera-Aufnahme eines Iraners vor, der mit gestohlenem Pass gereist war.

(Foto: dpa)

In immer größerem Radius wird nach dem verschollenen Flug MH370 gesucht. Das malaysische Militär will die Maschine in der Meeresenge von Malakka auf dem Radar gesehen haben - doch das wäre Hunderte Kilometer von einem eigentlichen Kurs entfernt gewesen.

Die Entwicklungen im Newsblog

An Tag vier nach dem Verschwinden eines malaysischen Passagierflugzeugs fehlt von dem Wrack weiter jede Spur. Die Suche nach der verschollenen Malaysia-Airlines-Maschine wird ausgeweitet. Die Behörden ermitteln in alle Richtungen. Nun aber scheint sich die Identität zweier zunächst verdächtiger Passagiere geklärt zu haben - die Polizeiorganisation Interpol räumt einen Terrorverdacht weitgehend aus.

Malayisches Militär will Maschine in der Meeresenge von Malakka auf dem Radar gesehen haben: Wie die Zeitung Berita Harian berichtet, sei das Signal der Maschine zuletzt nahe der Perak-Insel empfangen worden, die in der Meeresenge von Malakka liegt. Dann, so heißt es in dem Bericht, sei das Signal verloren gegangen. Ob die Maschine tatsächlich in dieser Gegend abgestürzt ist, ist völlig offen: Bis zur Straße von Malakka hätte die Maschine von ihrer eigentlichen Flugroute aus hunderte Kilometer unentdeckt durch einen Luftraum mit hohem Verkehrsaufkommen fliegen müssen. Die Piloten hatten weder einen Notruf abgesetzt, noch hatten die Bordcomputer der Bodenkontrolle technische Probleme signalisiert.

Passagiere mit gestohlenen Pässen identifiziert: Interpol zeigt auf einer Pressekonferenz Bilder von den beiden jungen Männern - und gibt Entwarnung. "Wir tendieren mittlerweile dazu, dass es sich um einen Fall von Menschenschmuggel handelte und nicht notwendigerweise um Terrorismus", sagt Roland Noble, der Generalsekretär der internationalen Polizeiorganisation. Bereits in der Nacht zum Montag hatte die malaysische Polizei einen von ihnen als 19-jährigen Iraner identifiziert. "Wir glauben, dass er nach Deutschland auswandern wollte", sagte der örtliche Polizeichef. Vermutlich habe er dort Asyl beantragen wollen, seine Mutter habe ihn in Frankfurt am Main erwartet, meldet die BBC. Der zweite Besitzer eines gestohlenen Passes ist 29 Jahre alt, ebenfalls aus Iran. Wegen der gestohlenen Pässe waren zunächst Spekulationen über einen terroristischen Hintergrund aufgekommen. Dann hieß es, die Männer hätten nur möglichst billig nach Europa gelangen wollen und seien eher zufällig an Bord der Maschine gewesen.

CIA schließt Anschlag weiter nicht aus: Der US-Geheimdienst CIA schließt einen Terroranschlag trotzdem nicht aus. Es gebe "mehrere mögliche Bekennerhinweise", die bislang jedoch nicht untermauert oder bestätigt worden seien, sagte CIA-Chef John Brennan. Die Behörden in Malaysia sind dabei, jeden einzelnen Passagier an Bord zu überprüfen. Nach Angaben von Polizeichef Khalid verfolgen die Ermittler vier mögliche Erklärungsstränge: 1. eine Entführung, 2. Sabotage, 3. psychologische Probleme bei Passagieren oder der Besatzung als Grundlage einer Selbstmordaktion oder aber 4. persönliche Hintergründe. In diesem Zusammenhang werde untersucht, ob jemand eine hohe Versicherungspolice abgeschlossen oder hohe Schulden hatte.

Französische Justiz nimmt Ermittlungen auf: In der Maschine, die auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking spurlos verschwunden ist, saßen auch vier französische Passagiere. Es handelt sich um drei Schüler des französischen Gymnasiums in Peking und um die Mutter von zwei der Kinder. Die Einleitung von Ermittlungen erfolgt in solchen Fällen in Frankreich praktisch automatisch.

Suchzone wird erneut ausgeweitet: Ein ranghoher Beamter, der an den Untersuchungen in Malaysia beteiligt ist, mutmaßte der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, dass die Maschine in mehr als 10 000 Metern Höhe auseinandergebrochen sein könnte. Wäre sie intakt auf das Wasser aufgeschlagen, hätte es größere Trümmerteile auf engem Raum geben müssen. Die Fluggesellschaft teilt mit, dass auch abseits der eigentlichen Flugroute nach Trümmerteilen gefahndet wird. Außer malaysischen Einsatzkräften beteiligen sich die USA, Australien, Vietnam, Singapur, Indonesien, die Philippinen und Thailand an der Suchaktion. China setzt eigene Satelliten ein. Trotzdem gibt es bislang keine Spur von dem verschollenen Flugzeug.

Vorher keine Probleme bei der Maschine: Die Boeing 777-200 war nach Angaben von Malaysia Airlines im Hangar in Kuala Lumpur am 23. Februar zuletzt gewartet worden. Mechaniker hätten keinerlei Probleme an der Maschine entdeckt. Der nächste Check sei erst am 19. Juni fällig gewesen. Die Maschine war 2002 ausgeliefert worden und hatte etwa 53 000 Flugstunden hinter sich.

Linktipps:

Die wichtigsten bisherigen Entwicklungen im Newsblog vom Montag.

Ein Flugzeug verschwindet - und keiner weiß, warum. Mögliche Szenarien hat CNN aufgelistet.

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/Reuters/franz/sebi

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