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Unfallstatistik:Zahl getöteter Radfahrer auf deutschen Straßen steigt

Ghost Bike

Ein weiß gefärbtes Kinderrad an einer Kreuzung in München, wo im Mai 2018 eine Neunjährige von einem abbiegenden Lastwagen überrollt wurde.

(Foto: Florian Peljak)
  • Auf Deutschlands Straßen sind im ersten Halbjahr 2019 bei etwas mehr Verkehrsunfällen weniger Menschen ums Leben gekommen.
  • Die Zahl der Radfahrer, die ums Leben kamen, stieg allerdings um mehr als elf Prozent an.
  • Laut Statischem Bundesamt kamen in den ersten fünf Monaten 2019 insgesamt 158 Fahrradfahrer ums Leben, das waren 16 mehr als im Vorjahreszeitraum.

In Hövelhof bei Paderborn stirbt ein 78-jähriger Radfahrer ohne Helm nach einem Zusammenstoß mit einem Auto. In Lingen im Emsland wird ein Mann auf dem Rad beim Überqueren einer Bundesstraße von einem Auto erfasst und erliegt noch an der Unfallstelle seinen Verletzungen.

Es sind nur zwei der Meldungen aus den vergangenen Tagen, die einen Trend der Unfallstatistik illustrieren: Auf Deutschlands Straßen leben Fahrradfahrer oft gefährlich, die Zahl der getöteten Radfahrer steigt. Für die ersten fünf Monate 2019 hat das Statische Bundesamt nun Details vorgelegt: Demnach kamen insgesamt 158 Fahrradfahrer ums Leben, das waren 16 (11,3 Prozent) mehr als im Vorjahreszeitraum. So viele wie seit 2010 nicht mehr.

2018 starben laut Statistischem Bundesamt 445 Radfahrer bei Unfällen - ein Plus von 63 Personen gegenüber 2017. Die Zahl der Unfälle im Zweiradverkehr könnte 2019 weiterhin zunehmen, hatte erst kürzlich der Fahrradclub ADFC prognostiziert. Radwege würden auch durch die seit Mitte Juni zugelassenen E-Scooter immer gefährlicher, da auch dort der Platz geringer werde.

Ein Problem: die Pedelecs

"Deutschland muss jetzt einen Zahn zulegen beim Ausbau der Fahrradinfrastruktur", fordert der ADFC. "Wir brauchen sofort mehr Tempo 30 in den Städten, schnelle Ausbauprogramme für geschützte Radwege an Hauptachsen und vor allem: Geschützte Kreuzungen! Kreuzungen sind die gefährlichsten Punkte für Radfahrerinnen und Radfahrer." Etwa zwei Drittel aller Fahrradunfälle seien Zusammenstöße mit Autos.

Laut Automobilclub ADAC ist "mehr Radverkehr sicher eine Ursache" für die hohe Zahl. Radfahrer müssten aber auch stärker geschützt werden. Der verpflichtende Einsatz von Lkw-Abbiegeassistenten etwa sei elementar, erklärte eine Sprecherin.

Auch die Unfallforschung der Versicherer fürchtet, dass die Zahl weiter steigt. Ein Grund dafür sei die Infrastruktur - gerade in den Kommunen. "Der Radverkehr wächst schneller als die Kommunen nachkommen. Städte und Gemeinden müssten hier massive Anstrengungen unternehmen." Ein Problem seien außerdem E-Bikes, die sogenannten Pedelecs, die bis zu einem Tempo von 25 Stundenkilometern in der Statistik bei den Fahrrädern mitgerechnet werden. Die Steigerungsrate der Getöteten sei hier doppelt so hoch wie unter den normalen Radfahrern. "Diese Entwicklung verläuft extrem ungünstig."

Insgesamt sind auf Deutschlands Straßen im ersten Halbjahr 2019 aber weniger Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen. Und das, obwohl die Gesamtzahl der Unfälle um 0,4 Prozent auf knapp 1,3 Millionen leicht gestiegen ist. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes vom Donnerstag wurden 1465 Menschen getötet - 40 weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Verletzten nahm um 5,1 Prozent auf 178 544 Menschen ab.

Die Zahl der getöteten Motorradfahrer sank auf 172 Menschen (Minus 44), die der Autoinsassen auf 529 (Minus 31). Die Zahl der getöteten Fußgänger blieb mit 173 unverändert. E-Scooter sind in der Statistik noch nicht mit drin. Sie werden erst von 2020 an erfasst.

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