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USA:Was wir über die Attentäter von San Bernardino wissen

Wer ist die Frau, die sich angeblich zum IS bekannt hat? Und was war ihr Ehemann für ein Mensch? Was wir über die Attentäter Syed Farook und seine Frau Tashfeen Malik wissen - und was nicht.

Nach dem Massaker von San Bernardino sind viele Fragen offen, doch es gibt auch erste Erkenntnisse zum Tathergang und den Attentätern. Was wir wissen - und was wir nicht wissen.

Das Massaker von San Bernardino

Der 28-jährige Syed Rizwan Farook und seine ein Jahr jüngere Frau Tashfeen Malik stürmten am Mittwoch ein Sozialzentrum in San Bernardino im US-Bundesstaat Kalifornien und töteten dort 14 Menschen. 21 weitere wurden verletzt. Später wurden die Täter bei einer Verfolgungsjagd von der Polizei erschossen. Farook hatte in der gemeinnützigen Einrichtung, einem Behindertenzentrum, an einem Mitarbeiter-Bankett teilgenommen, das Event aber verlassen, nur um später in Kampfmontur zurückzukehren. Mit seiner Frau habe er am Tatort bis zu 75 Gewehrpatronen abgefeuert, teilten die Behörden mit.

Syed Rizwan Farook is pictured in his California driver's license

Syed Rizwan Farook auf einem von der Polizei veröffentlichten Führerscheinfoto.

(Foto: REUTERS)

Am Sozialzentrum selbst hätten sie drei Rohrbomben mit einem ferngesteuerten Sprengsatz zurückgelassen, der offenbar nicht funktioniert habe. Zudem hätten sie mehr als 1600 weitere Schuss Munition bei sich gehabt, als sie in ihrem Geländewagen erschossen wurden. In ihrem Haus hatten die Attentäter zwölf Rohrbomben und mehr als 3000 Schuss Munition gehortet, sagte Polizeichef Jarrod Burguan. Außerdem seien Werkzeuge zum Bombenbau sichergestellt worden. Sie hatten zusätzliches Material, um weitere Bomben zu bauen", so Burguan.

Das ist über die Attentäter bekannt

Farook wurde in den USA geboren, er stammt aus einer pakistanischen Familie. Nach Angaben von Behörden und Bekannten war er seit fünf Jahren Angestellter des Bezirks San Bernardino. Zuvor hatte er an der California State University in San Bernardino Umwelthygiene studiert. Laut CNN lernte er seine Frau Malik online im Jahr 2013 kennen. Während der Hajj in Saudi Arabien sollen sie sich zum ersten Mal persönlich getroffen haben. Malik soll im Juli 2014 mit einem pakistanischen Pass in die USA gekommen sein. Die Los Angeles Times berichtet, die 27-Jährige habe ein Spezial-Visum für Verlobte von US-Bürgern besessen. Die beiden hinterlassen eine sechs Monate alte Tochter, die während der Tat bei ihrer Großmutter war.

Von Arbeitskollegen wird Farook als "zurückhaltend" beschrieben. Ein Kollege sagte über das Paar, es sei der "living American dream". 2014 sei Farook nach Saudi-Arabien gereist, etwa einen Monat weggewesen und mit einer Ehefrau zurückgekehrt. Später habe er sich einen Bart wachsen lassen. Ein Mann, der sich gegenüber der New York Daily News als Syed Farooks Vater ausgab, sagte: "Mein Sohn war sehr religiös. Er ging zur Arbeit, kam nach Hause und betete. Er war ein Moslem." Der Mann sagte außerdem, er habe schon längere Zeit keinen Kontakt zu seinem Sohn gehabt.

Farooks Mutter äußerte sich wiederum über ihren Ex-Ehemann, Farooks Vater, gegenüber der New York Times. Dieser sei Alkoholiker gewesen und potenziell gewalttätig. Er habe seine Kinder angeschrien und sei auf sie losgegangen, sagte Rafia Farook, die sich 2006 scheiden ließ.

Hinweise auf mögliche Radikalisierung der Täter

Es gibt Hinweise auf eine mögliche Radikalisierung der Täter. Malik war offenbar eine Anhängerin der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat". US-Medienberichten zufolge hatte sie auf Facebook dem sogenannten IS die Treue geschworen. Das berichtet unter anderem der US-Fernsehsender CNN unter Berufung auf drei Behördenvertreter.

Einer der Angreifer - ob Malik oder Farook ließ er offen - habe über soziale Medien Kontakte zu Extremisten unterhalten, die dem FBI bekannt waren, sagte ein Geheimdienstbeamter. Ermittler versuchten nun herauszufinden, ob und wie sich Farook radikalisiert haben könnte und ob er in Kontakt mit Terrororganisationen im Ausland gestanden habe.

Ein mit den Ermittlungen vertrauter US-Regierungsvertreter sagte, das FBI betrachte die Schießerei in San Bernardino zwar als potenziellen Terrorakt, könne dies jedoch nicht bestätigen. Personen, mit denen Farook im Netz kommuniziert habe, hätten unter FBI-Beobachtung gestanden, seien jedoch "keine wichtigen Akteure auf unserem Radar" gewesen. Zudem lägen dessen Online-Kontakte schon länger zurück, und es gebe keine Hinweise auf eine "Zunahme" der Kommunikation im Vorfeld der Gewalttat in San Bernardino. Farook und seine Frau selbst seien vor der Tat nicht vom FBI kontrolliert worden.

Motiv: Terrorakt oder Konflikt am Arbeitsplatz?

In Washington warnte auch Justizministerin Loretta Lynch vor vorschnellen Schlüssen zum Tatmotiv: "Wir wissen nicht, ob es sich um Wut am Arbeitsplatz oder etwas Größeres oder einen Kombination aus beidem handelt." Damit schloss sie sich Präsident Barack Obama an, der einen terroristischen Hintergrund nicht ausschloss, jedoch auch einen Konflikt am Arbeitsplatz als mögliches Motiv genannt hatte. Zudem plädierte Obama erneut für ein strengeres Waffenrecht in den USA. Massentötungen und Amokläufe haben ihn durch seine beiden Amtszeiten begleitet, ohne dass der Kongress seinem Ruf nach genaueren Überprüfungen von Waffenverkäufen folgte.

© SZ.de/dpa/AFP/jana/dayk/dd
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