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USA:Berüchtigte Schmuckdiebin schlägt mit 85 erneut zu

Wer sieht auf Polizeifotos schon gut aus? Diebin Doris Payne, die in ihrem Leben schon zahlreiche Juweliere getäuscht hat.

(Foto: AP)
  • Sie klaut nicht wegen des Geldes, sondern wegen der "Freude am Spiel", sagte Doris Payne 2005 in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP.
  • Jetzt wurde die 85-Jährige in Atlanta beim Stehlen von Ohrringen erwischt.
  • Das ist ihr schon oft passiert - noch häufiger soll sie aber unentdeckt geblieben sein.

Mit 75 schwor Doris Payne, sie würde nie wieder Schmuck stehlen. Mehrere listige Taten auf zwei Kontinenten seien genug. Jetzt, zehn Jahre später, ist die ältere Dame rückfällig geworden - in einem Luxuskaufhaus in der Südstaatenmetropole Atlanta.

Polizeiangaben zufolge wird Payne beschuldigt, ein Paar Ohrringe aus einem Kaufhaus der Kette "Saks Fifth Avenue" entwendet zu haben. Ladenpreis: 690 Dollar. Der Diebstahl wurde von Überwachungskameras gefilmt. Die Aufzeichnungen zeigen laut Polizei, wie die 85-Jährige in eine Boutique der Luxusmarke Christian Dior hineinspaziert. Sie nimmt die Ohrringe aus einer Ablage und verschwindet schnell aus dem Laden.

Anwalt fordert Freilassung wegen gesundheitlicher Probleme

Noch in der Shopping-Mall wurde Payne mit dem Schmuck in der Tasche festgenommen. Sie sitzt nun im Gefängnis und wird sich vor Gericht verantworten müssen. Wegen eines ähnlichen Vergehens wird sie der Polizei zufolge bereits im US-Staat North Carolina gesucht. Der Seniorin droht die Auslieferung.

Anwalt Shawn McCullers verweist nach dem jüngsten Fall auf gesundheitliche Probleme seiner Mandantin, die versorgt werden müssten. Genauere Auskünfte dazu gibt er nicht. Er erwarte eine Freilassung von Payne, schrieb McCullers in einer E-Mail. "Wenn das eingetreten ist, können wir einen Entschluss treffen, wie wir weiter vorgehen."

Eine Laufbahn als Juwelendiebin

Payne wird mit unzähligen Diebstählen im Laufe von sechs Jahrzehnten in Verbindung gebracht. Sie stahl Schmuck in den USA und in Europa, gab Fernsehinterviews über ihre Taten und ist in einem Dokumentarfilm namens "The Life and Crimes of Doris Payne" ausgiebig porträtiert worden.

Als Tochter eines ungelernten Grubenarbeiters kam Payne im Oktober 1930 in Slab Fork im US-Staat West Virginia zur Welt. Als sie 23 war, spazierte sie in Pittsburgh mit einem Diamanten im Wert von 22 000 Dollar aus einem Juweliergeschäft - selbstredend ohne dafür zu zahlen. Es war der Beginn einer kriminellen Karriere, die sie mehrere Male hinter Gitter brachte. Einmal, so erzählte sie der Nachrichtenagentur AP im Jahr 2005, saß sie für fast fünf Jahre in einem Gefängnis in Colorado ein. Diamanten stehle sie am häufigsten, berichtete sie in dem Interview, weil das am einfachsten sei. Sie stehle nicht wegen des Geldes, sondern wegen des Spiels.

Im Laufe der Jahrzehnte hat Payne ihre Erfolgsstrategie perfektioniert, um damit Angestellte in Juweliergeschäften zu umgarnen: nett anziehen, eine Designer-Handtasche bei sich tragen und sich mit einer detaillierten Geschichte wappnen. Angesichts einer betuchten Dame mit Geld, welches sie gewillt ist auszugeben, würden sich viele Ladenmitarbeiter entspannen, auch mal die ein oder andere Regel missachten und ihr mehrere hochwertige Stücke auf einmal bringen. Payne probiert sie dann schnell an und legt sie wieder ab, bis der Verkäufer nicht mehr all den Schmuck im Blick behalten kann. Zu diesem Zeitpunkt verschwindet die Diebin gerne aus dem Laden - mit einem der teuren Luxusgegenstände in der Hand. Und gelegentlich wird sie dann eben festgenommen.

Juweliere warnen seit den Siebzigerjahren vor Payne

Der Name Doris Payne ist den Behörden wohlbekannt - und nicht nur der: Im Laufe der Jahre hat sie demnach mindestens 22 Pseudonyme verwendet. Dabei soll sie häufiger mit einer Tat durchgekommen sein, als dass sie verhaftet wurde. Der Sicherheitsverband der Juweliere warnte bereits in den Siebzigerjahren auf Aushängen vor der berüchtigten Diebin. Der Präsident der Jewelers' Security Alliance, John J. Kennedy, bezeichnet Payne als eine Liga für sich unter den Schmuckdieben. "Es kommt außerordentlich selten vor, dass ein Krimineller eine solch lange Karriere hat", sagt er. "Für gewöhnlich ist es so, dass sie entweder aufhören, weil sie genug Geld haben und das Risiko nicht mehr eingehen wollen, oder sie sind tot."

Dass Payne nochmals etwas mitgehen lassen habe, überrasche ihn nicht: "Wenn du in dem Alter bist und das immer noch machst, dann wirst du niemals damit aufhören."

© SZ.de/AP/feko/max
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