Urteil:Fast zwölf Jahre Haft für 25-Jährigen nach Tod der kleinen Leila

Leila-Prozess

Der Hauptangeklagte im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Gera.

(Foto: dpa)
  • Das neunjährige Mädchen starb, als sie 2014 bei Verwandten Urlaub machte.
  • Der 25-jährige Freund der Tante trat sie zu Tode - sie verblutete innerlich.
  • Insgesamt zählten die Rechtsmediziner 170 Verletzungen auf der Kinderleiche.
  • Verurteilt wurden auch Leilas Oma und Tante, denen sie damals anvertraut war, die ihr aber nicht geholfen haben sollen.

Aus den Sommerferien 2014 kehrte die neunjährige Leila nicht mehr an ihre Schule in Mittelfranken zurück. Im Beisein von Verwandten im thüringischen Jena war das Mädchen misshandelt worden, es verblutete innerlich. Weit mehr als ein Jahr hat das Landgericht Gera Leilas Tod aufgearbeitet. Nun schickte die Strafkammer den Hauptangeklagten für elf Jahre und neun Monate ins Gefängnis - und ging damit über die Anträge von An- und Nebenklage hinaus. Das Kind sei ihm schutzlos ausgeliefert gewesen, er sei rücksichtlos vorgegangen, sagte der Vorsitzende Richter.

Weil ihre Mutter mit ihrem Partner ins Ausland gefahren war, verbrachte Leila damals wieder die Ferien in Thüringen. Dort lebte sie meist in einer Wohnung, die sich ihr Uropa, ihre Tante und deren Lebensgefährte, der heute 25-Jährige, teilten. "Leila war während ihres gesamten Aufenthalts in Jena körperlichen Misshandlungen ausgesetzt. Dies rechnen wir dem Angeklagten zu", erklärte das Gericht.

Mehr als 170 Verletzungen zählten die Rechtsmedizinier

Bei diesen Misshandlungen ist es demnach nicht geblieben. Vielmehr hat der Angeklagte das Kind auch sexuell missbraucht. Mehr als 170 Verletzungen hatten Rechtsmediziner bei der Obduktion der Kinderleiche gezählt. Gestorben ist Leila an inneren Blutungen. Ursache war massive Gewalt des 25-Jährigen gegen Leilas Bauch am Abend des 3. September. Der Notarzt wurde erst am nächsten Morgen gerufen - zu spät für die Neunjährige. Sie starb im Krankenhaus. Den Missbrauch hat der Angeklagte im Prozess bestritten. Er räumte nur ein, Leila an jenem Abend ungezielt aus dem Liegen einen Tritt verpasst zu haben. Er habe seine Ruhe haben wollen. Dieser Version hat das Gericht nicht geglaubt. Auch eine Rechtsmedizinerin hatte angesichts des Verletzungsbildes erhebliche Zweifel geäußert. Dass er das Kind vorsätzlich töten wollte, konnte ihm aber nicht nachgewiesen werden. Ursprünglich lautete die Anklage auf Totschlag. Verurteilt wurde der Mann nun wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie schweren sexuellen Missbrauchs.

Mitangeklagt waren auch Leilas Oma und Tante, denen sie damals anvertraut war, die ihr aber nicht geholfen haben sollen. Das Gericht sprach die beiden Frauen der Körperverletzung durch Unterlassen für schuldig und verhängte eine Geld- und eine Bewährungsstrafe.

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