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Übergriffe bei den Jesuiten:Der Weg des Wolfgang S.

Der Jesuitenpater Wolfgang S. misshandelte über Jahrzehnte in mehreren Kollegs seine Schüler: Viele wussten davon, keiner handelte. Eine Chronik des Wegsehens

Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen: Dass Verantwortliche innerhalb der Kirche, beim Orden der Jesuiten und an den von Missbrauchsfällen betroffenen Schulen immer wieder nach diesem Prinzip gehandelt haben, lässt sich wohl kaum besser illustrieren als mit dem Fall des Wolfgang S.

Der frühere Jesuitenpater und Lehrer am Berliner Canisius-Kolleg, Jahrgang 1945, wurde drei Mal versetzt, obwohl seine Neigung zur Gewalttätigkeit im Orden bekannt war. Nach jeder Versetzung wiederholten sich die Taten nach demselben Muster. Dabei hat er selbst immer wieder auf seine "Probleme" hingewiesen. Es klang oft wie ein Hilferuf. Viele der heute verjährten Taten gibt er zu. Die SZ hat versucht, den Weg von Wolfgang S. nach all den Jahren zu rekonstruieren.