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Tropensturm:Mörderischer Wirbelsturm

Dörfer sind verschwunden, Städte zerstört: In Mosambik, Malawi und Simbabwe werden bis zu 1000 Tote durch den Zyklon "Idai" befürchtet. Der UN zufolge sind mehr als fünf Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen.

Von Anna Reuß

Der schwere Tropensturm Idai ist abgeklungen, wie lokale Medien berichten. Für Mitte der Woche werden im Südosten Afrikas allerdings schon wieder starke Regenfälle erwartet. Idai war in der Nacht zum Freitag auf Land getroffen und über Mosambik, Malawi und Simbabwe hinweggebraust, mit Windgeschwindigkeiten von teilweise mehr als 170 Kilometern pro Stunde. Der Zyklon hinterlässt dort viele Orte in Trümmern: Brücken und Stromleitungen wurden zerstört und große Flächen überschwemmt. Von mehr als 1000 Toten ist die Rede, Hunderte Menschen werden noch vermisst. Den Vereinten Nationen zufolge sind mehr als fünf Millionen Menschen auf Hilfsgüter angewiesen.

Videos, die Menschen auf der Flucht aufgenommen haben, zeigen das Ausmaß der Katastrophe: Weil ganze Dörfer weggespült wurden, mussten viele ihre Heimatorte verlassen und durch kniehohes Wasser zwischen Müll und Schutt waten. Ein Film zeigt, wie eine Frau, die ein paar Dinge über dem Kopf trägt, plötzlich vom Wasser weggerissen wird.

Simbabwe wurde besonders schlimm getroffen: Mindestens 98 Menschen kamen dort ums Leben. Selbst Politiker und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen konnten sich zeitweise kein Bild der Lage machen, weil Brücken weggeschwemmt und Straßen überflutet wurden. So war laut der Zeitung Herald Zimbabwe eine Regierungsdelegation auf ihrem Weg in die Region nahe der Stadt Chimanimani an einem Fluss stecken geblieben. Rettungskräfte waren bemüht, die Bewohner der Stadt zu erreichen, die durch die Folgen der extremen Regenfälle von der Außenwelt abgeschnitten worden war. Viele mussten in das angrenzende Gebirge fliehen, weil ihre Häuser unter Schlammlawinen begraben oder von Regenfällen weggespült worden waren. Die meisten Toten konnten bislang nicht beerdigt werden. Die Regierung rief in den betroffenen Gebieten den Katastrophenfall aus. Simbabwe, ein Land mit 15 Millionen Einwohnern, litt bereits unter einer schweren Dürre, die große Teile der Ernte vernichtet hat.

400 000 Menschen wurden obdachlos

Auch in Mosambik verloren durch den Tropensturm etwa 400 000 Menschen zumindest vorübergehend ihr Zuhause. In einem Interview zeigte sich Präsident Filipe Nyusi entsetzt über die Zerstörungskraft des Zyklons. Er war im Hubschrauber über eine Region geflogen, in der zwei Flüsse übergelaufen waren. Ganze Dörfer seien verschwunden, Leichen trieben im Wasser, sagte Nyusi. "Alles deutet darauf hin, dass wir mit mehr als 1000 Toten rechnen müssen." Offiziell bestätigt sind bislang 84 Todesopfer.

Beira, die viertgrößte Stadt des Landes mit mehr als 500 000 Einwohnern, wurde mit voller Wucht getroffen: Die Nachrichtenagentur APO meldet, dass nach einem Dammbruch etwa 90 Prozent der Stadt zerstört seien. Außerdem war die Stromversorgung unterbrochen und der Flughafen geschlossen. In Teilen des Landes brach die Trinkwasserversorgung zusammen. Tausende Kleinbauern werden vermutlich auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sein, da ihre Äcker überflutet wurden.

In Malawi bestätigte die Regierung 56 Tote. Dort hatten schwere Regenfälle bereits Anfang des Monats etwa 100 000 Menschen obdachlos gemacht.

Das "Bündnis Entwicklung Hilft", ein Zusammenschluss mehrerer Hilfsorganisationen, veröffentlicht regelmäßig den Weltrisikobericht, der beschreibt, wie oft Regionen von Naturkatastrophen betroffen sind und wie gut Staaten darauf vorbereitet sind. Demnach gilt der Südosten Afrikas als Hochrisikogebiet.

Die Überschwemmungen gelten als die schlimmsten der vergangenen 20 Jahre. Ähnlich verheerend für die Region Südostafrika war zuletzt der Zyklon Eline im Februar 2000, der weite Teile Mosambiks und Simbabwes verwüstete. Damals kamen mehrere Hundert Menschen ums Leben, 650 000 wurden obdachlos.

© SZ vom 20.03.2019
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