Tornado oder Windhose? Die Furcht vor dem T-Wort

In einem kleinen Eifeldorf hat ein Sturm gewütet. War das nun eine Windhose, ein Tornado — oder etwas ganz anderes?

Von Hans von der Hagen

Zwei Häuser sind eingestürzt, 15 weitere sollen beschädigt sein: In Rheinland-Pfalz, in der Gemeinde Acht bei Mayen, tobte am Dienstag ein ebenso kräftiger wie begrenzter Sturm.

Die Aufnahme vom August 2001 zeigt einen Tornado über dem Ortskern von Belm bei Osnabrück.

(Foto: dpa)

Doch: war das nun eine Windhose, ein Tornado — oder noch ein anderes Windphänom? Wahrscheinlich handelte es sich um eine Windhose — sagen die Meteorologen. Und wenn es eine Windhose war, sollte man es auch getrost als Tornado bezeichnen — sagt Jörg Kachelmann, der unter anderem für die ARD die Wetterentwicklung prognostiziert.

Mit den Begriffen Windhose und Tornado würden die gleichen meteorologischen Phänomene beschrieben. Daher plädiere er dafür, den "euphemistischen Begriff" Windhose fallen zu lassen. Dieser lasse "an ein paar aufgewirbelte Blätter denken, nicht jedoch an einen echten Tornado".

Natürlich spricht vieles dafür, ein gleiches Ereignis auch einheitlich zu bezeichnen, wobei der Begriff Windhose so verkehrt nun auch nicht ist. Denn "Hose" bezieht sich auf des Wortes ursprüngliche Bedeutung und das ist nichts anderes als ein "Strumpf" oder, viel passender: "Schlauch". In der englischen Sprache ist das, nebenbei bemerkt, bis heute so. Der Tornado hingegen ist dem spanischen "tornar" entlehnt und das wiederum dem lateinischen "tornare". Beides heißt "drehen".

Tornados also sind in Deutschland gar nicht so selten, historisch betrachtet gibt es im Mittel etwa zehn pro Jahr, sagt Ernst Rauch, Geophysiker bei der Münchener Rück. Auch gilt nicht, dass sie per se schwächer seien als etwa in den Vereinigten Staaten. Nur gibt es in den USA aufgrund der deutlich höheren Fallzahlen eben auch häufiger kräftigere Varianten.

Als einer der stärksten aufgezeichneten Wirbelwinde in Deutschland gilt der aus dem Jahre 1968 in Pforzheim. Er soll auf der sechsstufigen Intensitätsmesslatte für Tornados, der Fujita-Skala, den Wert F3 oder F4 erreicht haben. Das ist gleichbedeutend mit einer Windgeschwindigkeit zwischen 250 und 330 Stundenkilometern. Mit einem solchen Ereignis ist hierzulande statistisch etwa alle 20 bis 40 Jahre zu rechnen, meint Rauch.

Wirbelndes Minitief

Ein Tornado kann nur in bestimmten Wetterkonstellationen entstehen. Die wichtigsten Zutaten sind: Gewitter, schwülwarme Luft, die von einer anrückenden Kaltfront bedrängt wird, wenig Wind am Boden und ein starker Höhenwind, erläutert Michael Sachweh, Lehrbeauftragter für Klimatologie an der Universität München. Ein klassisches Wärmegewitter reicht für einen Tornado nicht aus.

Irgendwo in den Gewitterwolken bildet sich dann — vereinfacht gesagt — ein Gebiet mit starkem Unterdruck, eine Art Minitief, in dem die Luftfeuchtigkeit rasch kondensiert. Es entsteht eine rotierende Wolke in der eigentlichen Wolke, die nach unten herauswächst und als der berüchtigte Schlauch sichtbar wird.

Dieser kann bis auf den Boden reichen und bewegt sich im Normalfall mit einer Geschwindigkeit von rund 50 Kilometern pro Stunde vorwärts. Die Zugbahn, bis zu mehreren hundert Metern breit, kann sich über viele Kilometer erstrecken. Durchschnittlich weht ein Tornado jedoch nur etwa zehn Minuten.

Typisch sind die schneisenartigen Verwüstungen, der er hinterlässt. So auch in der Eifelgemeinde am Dienstag.

Theoretisch könnten es sich bei dem Windereignis in Acht auch um eine Gewitterfallböe gehandelt haben, auch Downburst genannt, sagt Sachweh. Eine Fallböe entstehe anders: Hier klinkten sich die starken Höhenwinde in die Abwinde eine Gewitters ein und gelangten so bis auf den Boden.

Doch da offenbar mehrere Zeugen das wichtigste Merkmal eines Tornados — Rüssel von oben — in Acht gesehen haben, dürfte auch tatsächlich ein solcher Wirbelsturm durch den Eifelort gezogen sein.