Tim und Struppi in Tibet Klare politische Linie

Sogar der Yeti ist ganz begeistert, als er Besuch von Tim und Struppi bekommt - und auch der Dalai Lama weiß die Taten der beiden Comic-Figuren zu schätzen und zeichnet sie nun als Volkshelden aus.

Von Titus Arnu

Der ewig junge Reporter und sein Hund stapfen im Comic-Band "Tim in Tibet" mit ihrem Kumpel Käpt'n Haddock durchs Gebirge. Auf abenteuerlichen Wegen gelangt das Trio nach Tibet, wo sie fliegende Mönche, Yakbutter-Tee und seltsame Klingklang-Rituale kennen lernen.

Der Abt eines buddhistischen Klosters fragt Tim zu Recht: "Ihr wollt unter Lebensgefahr die höchsten Berge besteigen, warum macht ihr das?" Der Held hat einen edlen Grund: die Suche nach seinem Freund Tschang, der mit dem Flugzeug abgestürzt ist.

Jetzt bekommen Tim und Struppi von der Organisation International Campaign for Tibet (ICT) eine hohe Auszeichnung für den heroischen Einsatz im Band "Tim in Tibet", der 1960 erschien.

Der Dalai Lama verleiht den legendären Figuren des belgischen Comiczeichners Hergé den "Light of Truth Award", den wertvollsten Preis, der für die Förderung des Verständnisses für die tibetische Kultur verliehen wird. Frühere Preisträger waren zum Beispiel der ehemalige tschechische Präsident Václav Havel, der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel und der Bergsteiger Heinrich Harrer. "Für viele Menschen ist Hergés Beschreibung des Landes eine Einführung in die majestätische Landschaft und Kultur Tibets", urteilt ICT.

Tims Schöpfer Georges Remis (Hergé), Erfinder der Stilrichtung Ligne Claire, starb 1981. Der Preis geht an die Hergé-Stiftung, die den Nachlass verwaltet. Die Stiftung wird auch für ihre klare politische Linie gelobt. Im Jahr 2001 blockierte sie die Versuche Chinas, die chinesische Ausgabe unter dem Titel "Tim und Struppi im chinesischen Tibet" zu veröffentlichen. China hält Tibet seit 21 Jahren besetzt. Über den Preis selbst würde Haddock, der Whisky liebt und Buttertee hasst, wohl die Nase rümpfen: Es handelt sich um eine Butterlampe.