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Synode über Zukunft der Kirche:Das Experiment von Trier

Amtseinführung Bischof Stephan Ackermann in Trier

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann ist seit vier Jahren im Amt - jetzt wagt er im ältesten Bistum Deutschlands einen Dialogprozess zwischen Priestern und Laien.

(Foto: dpa)

Im ältesten Bistum Deutschlands werden Priester und Laien von Freitag an zwei Jahre lang über die Zukunft ihrer Kirche diskutieren. Doch wie viel Dialog verträgt sie, wie mutig sind ihre Bischöfe? Es geht schließlich um Macht - und darum, sie abzugeben.

"Es ist ein Wagnis", sagt Stephan Ackermann, der Bischof von Trier. Denn am Ende könnte die Enttäuschung stehen und nicht der neue Mut, den er sich wünscht, könnte der Frust den Optimismus gefressen haben, wie so oft, wenn in der katholischen Kirche die Gläubigen gefragt werden, wo es denn hingehen soll mit ihrer Gemeinschaft. Am Freitag beginnt im ältesten Bistum Deutschlands dieses Wagnis: 280 Priester, Ordensleute und Vertreter aus den Gemeinden und Verbänden treffen sich erstmals zur Diözesansynode.

Zwei Jahre lang sollen sie, wie Ackermann sagt, die "Zeichen der Zeit" deuten und beraten, wie die Botschaft Jesu im 21. Jahrhundert gelebt und weitergesagt werden kann. 23 Jahre ist es her, dass zum letzten Mal in Deutschland eine solche Synode tagte - in Trier gar 55 Jahre. "Entsprechend schauen jetzt alle auf uns", sagt Ackermann. Was er nicht sagt: Mancher Bischofskollege schaut durchaus misstrauisch. Wie viel Dialog verträgt die katholische Kirche - jetzt, wo Papst Franziskus per Fragebogen wissen möchte, was seine Gläubigen so über Ehe und Familie denken?

Bisherige Synoden brachten keine Veränderung

Vor einem Vierteljahrhundert gab es in gleich mehreren Bistümern solche Synoden. Sie verliefen, kurz gesagt, meist so: Bischof und Kirchenvolk versammelten sich voll guten Willens, bald aber war man bei den Konfliktthemen angelangt: Zölibat, Priestertum der Frau, Gottesdienste ohne Priester, wiederverheiratete Geschiedene, Pille, Kondom. Die Laune der Bischöfe sank, sie sagten, dass sie alle diese Dinge auch nicht ändern könnten, woraufhin auch die Laune vieler Delegierter sank und man betreten auseinanderging.

Das solle sich jetzt in Trier nicht wiederholen, sagt Ackermann, "wir dürfen diese Themen natürlich nicht aussparen, aber wir konzentrieren uns auf das, was wir im Bistum gestalten können". Er habe aber gemerkt, "dass es nicht genügt, einfach nur Strukturen zu ändern und Gemeinden zusammenzulegen. Wir müssen auch darüber reden, wo wir inhaltlich und geistlich hinwollen".

Die Entscheidung, diese Synode abzuhalten, fiel schon vor der Wahl des neuen Papstes, als Reaktion auf den Vertrauensverlust im Kirchenvolk durch die Missbrauchkrise und auf den Frust in den Gemeinden, denen die Pfarrer fehlen, die Ehrenamtlichen wegbleiben, die mit der Nachbargemeinde zusammengelegt werden. Die Strukturen in der katholischen Kirche wandeln sich derzeit tief greifend, in Bistümern wie Berlin, Hildesheim oder auch Essen wird sich die Zahl der Gemeinden in dieser Generation halbieren.

Doch richtig brisant ist die Trierer Versammlung durch Papst Franziskus in Rom geworden, der seine Kirche aufgefordert hat, hinauszugehen an die Ränder, wo die Armen, Ausgeschlossenen und seelisch Notleidenden leben. "Wir dürfen uns nicht als Wohnzimmer für die Kerngemeinde verstehen", sagt Ackermann. Und dass es vielleicht schwieriger sei, über das Ende dieses Wohnzimmerdenkens nachzudenken als über das mögliche Ende des Zölibats.

Auf die einfachen Gläubigen hören

Und so wird sich in Trier auch zeigen, wie ernst es der katholischen Kirche in Deutschland mit dem Versprechen ist, künftig besser auf die einfachen Gläubigen zu hören. Die Beschlüsse der Synode sind immerhin kirchenrechtlich verbindlich, anders als zum Beispiel in der Diözesanversammlung im Erzbistum Freiburg, die dieses Jahr im Mai zu Ende ging.

Auch deshalb werden wohl viele Bischöfe nicht den gleichen Mut aufbringen wie Ackermann - eine solche Synode bedeutet, Macht abzugeben, das Bischofsamt vom Sockel zu holen. Im Erzbistum Köln zum Beispiel gibt es gerade Ärger, weil eine Initiative namhafter Katholiken genau dies fordert. Am 25. Dezember wird der dortige Kardinal Joachim Meisner, der Wortführer des konservativen Flügels in der Bischofskonferenz, 80 Jahre alt, im Februar wird er aufhören, ein Nachfolger für das angeblich reichste Bistum der Welt wird gesucht.

Eine "Kölner Kircheninitiative", unterstützt auch von prominenten Katholiken wie den Theologen Hans Küng, Michael Zulehner oder dem Jesuitenpater Klaus Mertes, fordert, das Kirchenvolk an der Wahl des neuen Erzbischofs zu beteiligen. Meisner war 1989 gegen den erklärten Willen des Domkapitels nach Köln gekommen. Allerdings dürfte eher der Rhein wieder zurück in den Bodensee fließen, als dass diesem Ansinnen in Köln stattgegeben würde.

Immerhin hat das Erzbistum Köln den Fragebogen von Papst Franziskus veröffentlicht und ins Internet gestellt, schließlich will hier der Papst zur Vorbereitung auf die Bischofssynode im kommenden Jahr wissen, was die Katholiken auf der Welt über Ehe und Familie denken oder zum Beispiel auch wie viele von ihnen unverheiratet zusammenleben, und Ansinnen des Papstes torpediert man nicht.

Am Freitag, wenn in Trier die Synode startet, wird das Erzbistum erste Ergebnisse vorstellen. Man darf gespannt sein, wie die aussehen - im katholischen Deutschland tobt inzwischen eine regelrechte Schlacht um des Papstes Fragen. Die Reformgruppe "Wir sind Kirche" hat ihre Anhänger und Unterstützer aufgerufen, den Fragebogen fleißig auszufüllen, auf dass sich endlich etwas ändere; das konservative Forum deutscher Katholiken hat ebenfalls zum Ausfüllen ermuntert - damit alles beim Alten bleibe. Wie das so ist, wenn man die Leute um ihre Meinung fragt.

© SZ vom 12.12.2013/cal
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