Studie zu Gewalt in den USA Schwarze Täter, schwarze Opfer

Jung, männlich, schwarz: Die Zahl der Gewaltverbrechen, in die afroamerikanische Jugendliche verwickelt sind, steigt.

Von Christian Wernicke

Junge schwarze Männer in den Vereinigten Staaten schießen immer häufiger - und sie sterben öfter als weiße Teenager einen gewaltsamen Tod. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Montag veröffentlichte Studie zweier renommierter Kriminologen der Northeastern University in Boston. Demnach stieg die mörderische Gewalt vor allem in den Slums amerikanischer Großstädte zwischen 2000 und 2007 um mehr als ein Drittel.

Banden, Drogenkriminalität: Viele Schwarze leben und sterben in "gewaltverseuchten Vierteln", sagt ein Kriminologe.

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Beigetragen zu dieser Eskalation, so glauben die Autoren, hätten Kürzungen von Sozial- und Polizeiprogrammen unter der scheidenden Regierung von Präsident George W. Bush. Die Analyse vergleicht kriminologische Daten männlicher Jugendlicher im Alter von 14 bis 17 Jahren.

Demnach verharrte die Zahl der von weißen Teenagern begangenen Morde auf einem Niveau (539 Fälle im Jahr 2000, 547 in 2007). Derweil stieg die Zahl der Morde mit schwarzen Tätern unter 18 Jahren von jährlich 851 auf 1142 Fälle - eine Steigerung um 34 Prozent. Dazu trug vor allem eine Zunahme der Tötungen mit Schusswaffen bei.

Die Entwicklung unter afroamerikanischen Jugendlichen widerspricht der generellen Gewaltentwicklung: Laut FBI-Statistik ging die Zahl der Verbrechen 2007 leicht zurück. Insgesamt verhafteten die US-Behörden 2007 10067 mutmaßliche Täter wegen Mordes oder Totschlags. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen (5078) waren Schwarze, die aber nur 13,4 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Leben in gewaltverseuchten Vierteln

Die Analyse der Opferzahlen untermauert den Eindruck, dass viele der Morde in überwiegend von Schwarzen bewohnten Vierteln mit Banden- und Drogenkriminalität geschehen: Von 2000 bis 2007 stieg auch die Zahl schwarzer Jugendlicher, die Opfer von Schusswaffengewalt wurden, um 40 Prozent auf 426 Tote. Die Zahl weißer Opfer blieb mit zuletzt 384 fast konstant.

James Alan Fox, ein landesweit bekannter Kriminologe und Koautor der Studie, glaubt, dass die Politik der Bush-Regierung zu dieser Entwicklung beigetragen habe. So seien Zuschüsse aus Washington für Jugendschutz, Prävention und Polizeipräsenz in städtischen Problemgebieten seit 2001 gekürzt worden.

"Unzählige Amerikaner leben - und manche sterben - in gewaltverseuchten Vierteln." In Anspielung auf die jüngsten Finanzpakete zur Rettung der Wall Street fügt Fox hinzu: "Wir müssen dringend wieder in Kinder und Familien investieren." Der designierte Vizepräsident Joe Biden hatte kürzlich versprochen, Obamas Regierung wolle 50.000 zusätzliche Polizisten einstellen und vorrangig in städtischen Slums auf Streife schicken.