Stilkritik Trostpreis

Model Tatjana gewinnt den Personality Award im Finale der Sendung "Germany's Next Topmodel".

(Foto: Willi Weber/ProSieben)

Beim Topmodel-Finale darf sich eine junge Frau freuen, die zwar nicht gewann, aber dennoch eine Trophäe bekam.

Von David Denk

"Alle waren Sieger - auch wenn einer nur gewinnen kann", sang Moderatorin Marijke Amado in den 90ern zum Abschluss jeder "Mini Playback Show". An diese pädagogisch wertvollen Trostworte fühlte man sich beim Finale der 14. Staffel von "Germany's Next Topmodel" am Donnerstagabend stark erinnert. Unklar ist, ob die schöne, aber auch für die junge Zielgruppe damals schon recht durchsichtige Geste Heidi Klum mehr als 20 Jahre später für ihre Show inspiriert hat. Klar ist: So viel Trostpreis war selten.

Alle waren Sieger - auch wenn eine nur gewinnen kann: "Germany's Next Topmodel" 2019 ist Simone, 21. Aber Theresia, 26, die es nicht ins Finale geschafft hat, durfte vor einem Millionenpublikum ihren Verlobten Thomas, 54, heiraten. Sayana, 20, durfte stolz drauf sein, es als erste tamilische Kandidatin ins Finale der Castingshow geschafft zu haben. Und dann war da auch noch Tatjana, 21, die die Mutter aller Trostpreise gewonnen hat, den "GNTM Personality Award".

Nominiert war sie als "Die Kämpferin", was einerseits nachvollziehbar ist, wenn man weiß, dass sie im Körper eines Jungen geboren wurde, andererseits aber auch ähnlich verlogen wie die ständigen Body-Positivity-Lippenbekenntnisse in einem Format, in dem die inneren Werte ungefähr so viel zählen wie eine schöne Handschrift. Es geht um Vermarktbarkeit, die eine gewisse Konventionalität und Konformität voraussetzt. Jede Frau ist schön - aber nicht jede Frau kann "Germany's Next Topmodel" werden. Eine, die gute Chancen gehabt hätte, ist vor dem Finale überraschend ausgestiegen: Vanessa, 21. Klums kühler Kommentar: "Es ist ihr Leben und ihre Entscheidung." Persönlichkeit hat man in ihrer Show letztlich nur von Heidis Gnaden.