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Sophienhof:Kiel: Polizei revidiert Angaben zu Belästigung durch Migranten

Einkaufszentrum Sophienhof in Kiel

Die Polizei nimmt die Vorwürfe gegen Migranten zu den Vorkommnissen im Einkaufszentrum Sophienhof in Kiel weitgehend zurück.

(Foto: dpa)
  • Im Februar hatte die Polizei bekannt gegeben, drei Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren seien von mehreren Migranten belästigt, gefilmt und verfolgt worden.
  • Jetzt heißt es, gegen zwei 17-jährige Afghanen ermittele die Staatsanwaltschaft nur noch wegen Widerstands gegen Polizisten, Körperverletzung und Beleidigung.
  • Fotos oder Filme wurden der vermeintlichen Opfer waren nie auf den Telefonen der Jungen gefunden worden.

Mehr als einen Monat nach den Berichten über angebliche massive Belästigungen junger Mädchen in einem Kieler Einkaufszentrum hält die Staatsanwaltschaft einen Teil der Vorwürfe für hinfällig. So hieß es erst, die beiden Hauptverdächtigen hätten die Mädchen belästigt und dabei auch gefilmt. "Auf ihren Mobiltelefonen wurden weder Filme noch Videos von den Mädchen sichergestellt", sagte nun der Kieler Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Zuvor hatte das Flensburger Tageblatt über den neuen Stand berichtet.

Gegen die beiden jungen Männer ermittele die Behörde nur noch wegen Widerstands gegen Polizisten, Körperverletzung und Beleidigung. In einem Aspekt mussten die Ermittler ihre Angaben zu den Männern zudem korrigieren. Die beiden Hauptverdächtigen aus Afghanistan sind nicht 19 und 26, sondern beide erst 17 Jahre alt.

Der Fall hatte Ende Februar bundesweit Schlagzeilen gemacht. Zwei Afghanen sollen drei Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren im "Sophienhof" - so der Name des Einkaufszentrums - belästigt, gefilmt und verfolgt haben, hieß es damals. Die Polizei stellte dies in ihren Mitteilungen als Tatsache dar. Im Verlauf des Vorfalls hätten sich "sukzessive 20 bis 30 weitere Personen mit Migrationshintergrund" eingefunden, die die Mädchen belästigt, beobachtet und verfolgt haben, berichtete die Polizei zunächst.

FDP spricht von "erschreckender Pannenserie"

Zwar hatte die Polizei ihre Darstellung des Geschehens in dem Einkaufszentrum bereits wenige Tage nach den Vorfällen abgeschwächt und auch den Fund von Bildern der Opfer dementiert. Der stellvertretende Landespolizeidirektor Joachim Gutt sprach aber Anfang März am Rande des Innen- und Rechtsausschusses im Landtag dann doch davon, es seien Fotos der Opfer gefunden worden. Nun muss er einräumen, dass diese nicht die betreffenden Mädchen zeigten. "Die Vorwürfe sind deshalb aber nicht haltlos, es wird weiter ermittelt gegen die beiden Täter", sagt er. Auch die Belästigungsvorwürfe seien "noch nicht ganz vom Tisch, immerhin".

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Von einer "erschreckenden Pannenserie" der Ermittler spricht der FDP-Innenpolitiker Ekkehard Klug. "Hoffentlich läuft das nicht noch weiter nach dem Motto 'Fortsetzung folgt'." Dass im Laufe der Ermittlungen neue Erkenntnisse zum Tatgeschehen auftauchen, findet der CDU-Innenpolitiker Axel Bernstein nicht ungewöhnlich. Sein Grünen-Kollege Burkhard Peters betont dagegen: "Die neuen Erkenntnisse zu den Vorfällen im Sophienhof zeigen einmal mehr, dass wir uns nicht von Hektik leiten lassen sollten."

© SZ.de/dpa/dayk/ewid

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