Russland Wal gegen Geld

Ein weiblicher Orca-Wal.

(Foto: Elaine Thompson/picture alliance/AP Photo)

Verkauft Russland Orcas und Belugas an China? In einer Bucht südlich von Wladiwostok haben Tierschützer eine Anlage gefunden, die sie "Walgefängnis" nennen.

Die weißen Wale sind auf den Luftaufnahmen gut zu erkennen. Sie setzen sich ab im dunklen Meerwasser und sie halten ziemlich still. Viel Platz, um sich zu bewegen oder abzutauchen, bleibt ihnen ohnehin nicht. Sie sind eingepfercht in kleinen Becken, mit Netzen abgetrennt in einer Bucht. "Walgefängnis" haben Tierschützer diese Anlage ganz im Osten Russlands getauft. Die Bucht liegt südlich von Wladiwostok, im Japanischen Meer.

Etwa 90 der weißen Belugas und mindestens elf Orcas vermuten Tierschützer dort. Neben den kleinen offenen Becken liegen drei überdachte Gehege im Wasser, von oben sehen sie aus wie schwimmende Gewächshäuser. Unter den Dächern könnten sich laut Greenpeace die wertvolleren Schwertwale verbergen. Die Umwelt-Organisation vermutet, dass die Tiere an chinesische Delfinarien verkauft werden sollen. Nirgendwo sonst auf der Welt werden laut den Walschützern noch Orcas gefangen, nur in Russland. Und dort überwiegend für den chinesischen Markt.

Etwa eine Million Rubel bekomme man für einen der weißen Belugas, sagt Oganes Targuljan von Greenpeace in Moskau. Für einen Orca seien es mindestens eine Million Dollar - also fast siebzigmal so viel. Er habe Exportpapiere aus früheren Jahren gesehen, sagt er, doch Targuljan vermutet, dass der inoffizielle Preis noch höher liegt. Das Geschäft mit den Walen ist also nicht neu, es schwimmen bereits russische Orcas in chinesischen Aquarien. Doch dieses Jahr könnten besonders viele Tiere verkauft werden, so die Befürchtung. Denn die russischen Behörden setzen jährlich Quoten fest, wie viele Wale vor Russlands Ostküste gefangen werden dürfen - offiziell zu Forschungs- und Bildungszwecken. Und diese Quote liege dieses Jahr mit 13 Orcas deutlich höher als in den Vorjahren. Den kommerziellen Fang hat die Internationale Walfangkommission zwar seit Jahrzehnten ausgesetzt. Trotzdem: Zwischen 2013 und 2017 hätten russische Unternehmen insgesamt 15 Schwertwale ins Ausland verkauft, behauptet Greenpeace.

Grund für den Trend dürfte die wachsende Nachfrage in China sein. Dort nehme die Delfinarien-Industrie stark zu, sagt David Pfender von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC). Nach WDC-Zahlen leben derzeit mindestens 60 Orcas in Aquarien und Show-Parks. Doch eingefangen würden sie nur noch von russischen Walfängern. Dabei gebe es in Russland nur ein einziges Delfinarium, das Platz für die sogenannten Killerwale hat: das neue Moskvarium in der Hauptstadt. Das ist mit drei Orcas bereits gut gefüllt. Für die chinesischen Parks jedoch sei es der einfachste Weg, die Tiere über Russland zu beziehen, so der Experte. China habe keine eigene Orca-Population und wohl auch nicht das Know-How für den Fang. Ob die mehr als hundert Wale in der russischen Bucht nun auch nach China exportiert werden, ist allerdings offen. Die russischen Unternehmen, die hinter dem Fang stehen, hatten offenbar Ausfuhrgenehmigungen für 25 Belugas beantragt - die die Behörden russischen Medien zufolge nun zurückgewiesen haben.