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Russland:Tod in der Lutscher-Fabrik

Stadtbekannter Moskauer Fabrikbesitzer schießt plötzlich um sich - und tötet einen Wachmann.

Bei einer Schießerei in einer Schokoladenfabrik im Südosten der russischen Hauptstadt ist am Mittwoch mindestens ein Mensch getötet worden. Der Vorfall ereignete sich um kurz nach neun Uhr Ortszeit im Süßwarenwerk "Menschewik". Der ehemalige Fabrikdirektor habe mit einem Karabiner auf einen Wachmann geschossen, erklärte das Ermittlungskomitee. Medien berichteten zudem von Schüssen auf Gerichtsvollzieher, die sich im Gebäude aufhielten.

Im Radio erklärte Ilja A., eine Bande aus dem Kaukasus wolle ihn verschleppen

Der Tatverdächtige Ilja A. verbarrikadierte sich nach dem Schusswechsel zunächst in seiner Fabrik, die Polizei umstellte das Gelände. Als die Polizei das Gebäude um die Mittagszeit stürmte, war er entkommen. Am Nachmittag wurde die Fahndung auf ganz Moskau ausgeweitet. Verwandte beschrieben ihn als aufbrausend und leicht reizbar. Schon vor elf Jahren hatte es eine Schießerei gegeben. Damals habe A. mit einer Schreckschusspistole um sich geschossen und versehentlich einen Passanten getroffen, berichtet eine Boulevardzeitung. In einem Telefongespräch mit dem Moskauer Radio-Sender Business FM erklärte A., eine "Bande aus dem Kaukasus" wolle ihm seine Fabrik wegnehmen. Zwei Staatsanwälte steckten mit ihnen unter einer Decke. Die Staatsanwaltschaft bestätigte, A. habe aus diesem Grund bereits mehrfach Anzeige erstattet, Ermittlungen wurden jedoch nicht eingeleitet.

Im Radio behauptete der frühere Fabrikbesitzer, die Bande hätte versucht, eine Türe aufzubrechen, um ihn zu verschleppen. Die Angreifer hätten auf Warnschüsse nicht reagiert und versucht, ihm sein Gewehr abzunehmen, dabei habe sich der tödliche Schuss gelöst.

Der Streit um seine Fabrik dauert schon Jahre. A. hatte in den Neunzigern zunächst Kaugummis und Lutscher aus dem Ausland importiert. 1999 begann er, Kopien der Süßigkeiten unter anderen Namen in Moskau zu produzieren. Ein Geschäft, das in den vergangenen Jahren offenbar immer weniger Erfolg hatte. Mitarbeiter beschwerten sich im Internet, der Fabrikbesitzer habe sie um ihre Löhne betrogen.

Derzeit läuft ein Insolvenzverfahren gegen die Süßwarenfabrik Menschewik. Unter den Angreifern soll laut Berichten lokaler Medien auch der Antragsteller des Insolvenzverfahrens gewesen sein. A. hatte im vergangenen halben Jahr fünf Klagen gegen das gegenwärtige Management eingereicht und umgerechnet etwa 60 000 Euro eingefordert. Bei den Moskauer Gerichtsvollziehern sei das Werk zuletzt als "chronisch überschuldet" bekannt gewesen, berichtete das russische Internet-Portal Meduza.io.