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Ravensburg:Mutmaßlicher Täter in die Psychiatrie gebracht

Messerstecherein in Ravensburg

Ein Polizist markiert in Ravensburg, wo das Tatmesser gelegen haben soll.

(Foto: Felix Kästle/dpa)

Der Mann hatte drei Passanten mit dem Messer attackiert. Gestoppt wurde er vom Oberbürgermeister, der zufällig in der Nähe war.

Nach der Messerattacke in der Ravensburger Innenstadt mit drei Schwerverletzten ist der mutmaßliche Täter in eine psychiatrische Einrichtung gebracht worden. Anstelle eines Haftbefehls wurde ein sogenannter Unterbringungsbefehl erlassen. Die Polizei teilte am Samstag mit, der afghanische Asylbewerber leide nach Einschätzung eines Gutachters an einer tief greifenden psychiatrischen Erkrankung. Er sei mehrfach in stationärer Therapie gewesen. Hintergrund der Tat soll auch ein Streit mit einem Arbeitskollegen gewesen sein. Der mutmaßliche Angreifer ist nach aktuellen Erkenntnissen 21 Jahre alt, ihm werden versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen, allerdings war er bei der Tat am Freitag laut dem vorläufigen Sachverständigen-Gutachten vermindert oder sogar nicht schuldfähig.

Oberstaatsanwalt Karl-Josef Diehl sagte zu den Hintergründen der Tat, der Mann habe einen Streit mit einem Arbeitskollegen austragen wollen und diesen aufgefordert, zum Marienplatz zu kommen. Er habe sich wegen Äußerungen des Kollegen gehänselt gefühlt. Am Vormittag soll sich der 21-Jährige dann ein großes Küchenmesser gekauft haben und zum Marienplatz gegangen sein. Als sein Kollege nicht kam, stach der Mann "unvermittelt und im Rahmen eines psychotischen Erlebens" auf zwei syrische Asylbewerber ein. Dann attackierte er einen dritten Mann, der nicht verletzt wurde. Wenig später stellte sich ein 52-Jähriger im Außenbereich einer Gaststätte dem Beschuldigten entgegen. Der Tatverdächtige fügte auch diesem Mann Stichverletzungen zu. Laut Diehl war der 21-Jährige, der seit 2016 in Deutschland ist, bislang nicht mit Aggressionen gegen andere aufgefallen.

Der mutmaßliche Täter wurde auch dank des Ravensburger Oberbürgermeisters Daniel Rapp (CDU) gestellt. Nach Angaben der Ermittler hielt sich der Politiker zufällig in der Nähe des Tatorts auf. Rapp schilderte den Vorfall so: Zeugen seien "völlig aufgelöst" auf ihn zu gerannt, deshalb sei er zum Tatort gegangen. "Dann stand plötzlich der Täter direkt vor mir mit dem blutüberströmten Messer und hat mich bedroht. Ich habe dann gesagt: Er soll das Messer auf den Boden legen", was der Mann dann auch tat. Rapps Einsatz habe womöglich Menschenleben gerettet, sagte der baden-württembergische Integrationsminister Manne Lucha.

Der Grünen-Politiker, der selbst in Ravensburg lebt, rief die Bürger auf, zusammenzustehen. "Wir lassen uns nicht von Menschen auseinander dividieren, die diese furchtbare Tat nun für politische Zwecke missbrauchen und Hass und Häme über all jene ausschütten, die für Zusammenhalt in dieser Stadt standen und stehen." Die Polizei betonte, dass es keine Hinweise auf ein religiöses oder politisches Motiv des mutmaßlichen Täters gebe.

© SZ vom 01.10.2018 / dpa, afp
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