Ralf Moeller in Afghanistan "Man muss sich um die Soldaten kümmern"

Schauspieler und Ex-Weltmeister im Bodybuilding Ralf Moeller reist nach Afghanistan. Er will die Soldaten fitter machen.

Interview: Christian Mayer

Am Dienstag brach Hollywood-Schauspieler Ralf Moeller ("Gladiator") zu einem besonderen Bundeswehrbesuch nach Afghanistan auf. Anders als die meisten Politiker, die nur mal eben Hände schütteln wollen, hat der Action-Darsteller etwas mitgebracht: neue Trainingsgeräte. Vier Tage lang will er den Soldaten Beine machen, mit ihnen Gewichte stemmen und ein Trainingsprogramm absolvieren.

Ralf Moeller vor seinem Einsatz in Afghanistan.

(Foto: Foto: ddp)

SZ: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, nach Afghanistan zu fliegen?

Moeller: Über meine Agentur hatte ich Anfragen und Autogrammwünsche von Bundeswehrsoldaten, die dort stationiert sind - darunter sind auch Fans, die meine Filme gut kennen. Ich hatte das Gefühl, dass man sich um die Soldaten mal kümmern muss. Unsere Männer und Frauen dort haben einen harten Job und riskieren ihr Leben. Ich will nicht pathetisch klingen, aber es war an der Zeit, mal dorthin zu fahren.

SZ: Die Bundeswehr ist Ihnen ja nicht ganz fremd. Hat das eine Rolle gespielt?

Moeller: Stimmt. Ich hab' mich an meine eigene Bundeswehrzeit bei den Pionieren in Wuppertal-Elberfeld erinnert, von 1979 bis 1981 - damals herrschte zwar noch Kalter Krieg, aber die Bundeswehr kannte keine Auslandseinsätze, sie war eine Friedensarmee. Inzwischen werden unsere Soldaten ja in alle mögliche Krisengebiete geschickt. Und Afghanistan ist besonders gefährlich, sogar im angeblich entspannteren Norden.

SZ: Sie wollen die Soldaten, die oft neun Monate von zu Hause weg sind, fitter machen. Hatten die Soldaten bisher keine Möglichkeit, Sport zu treiben?

Moeller: Na ja, es gibt schon Angebote, aber die Bundeswehr ist längst nicht so gut ausgestattet wie die US-Armee. Ich habe neue Geräte und Laufbänder im Gepäck, die uns zwei deutsche Hersteller gespendet haben. Und nach dem Training schauen wir uns vielleicht noch ein paar meiner Filme an. Ich bin gespannt auf das Leben im Zelt.

SZ: Wie ist es um die Physis der Truppe denn bestellt? Aus der Bundeswehr selbst kommen ja Klagen, viele Soldaten seien zu dick und zu unsportlich.

Moeller: Der Mangel an Bewegung ist ein großes Problem. Auch von den 3300 Bundeswehrkräften in Afghanistan sind sicher nicht alle gestählt und gut in Form, von den Elite-Einheiten mal abgesehen, die sind physisch top. Aber die meisten Soldaten dürfen ihre abgeschlossenen Bereiche nicht verlassen, die können in Kundus oder Masar-i-Scharif auch nicht einfach mal auf den Markt gehen. Es gibt beim Afghanistan-Einsatz ja nicht nur Soldaten, die mit dem Panzer herumfahren und im Land unterwegs sind, sondern auch Leute aus der Logistik, Köche, Techniker und so weiter. Denen will ich helfen, etwas für sich zu tun.

SZ: Sie sind ja auch bei den Amerikanern in Kabul kurz zu Gast. Da brauchen Sie sicher Ihre eigenen Bodyguards.

Moeller: Wir haben eine Truppe mit sieben Leuten, die draußen auf uns aufpasst. Ohne die könnten wir uns gar nicht bewegen.

SZ: Sie sind der erste deutsche Schauspieler, der zu Bundeswehrsoldaten ins Ausland fliegt. Bei den Amerikanern gab es seit dem Zweiten Weltkrieg die Tradition, populäre Entertainer und Filmleute an die Front zu schicken, von Marilyn Monroe und Bob Hope bis zu George Clooney und Julia Roberts.

Moeller: So sind die Amerikaner! Die sprechen sich gegenseitig Mut zu, und wenn sie Erfolg haben und dafür gefeiert werden, geben sie etwas zurück an andere. Leider nehmen wir in Deutschland viele Dinge als selbstverständlich hin. Unsere Spitzensportler haben Zeit für Bier- und Fastfood-Werbung, obwohl wir zwei Millionen verfettete Jugendliche haben. Es ist Zeit umzudenken und mal was für andere zu tun. Wir können in München gemütlich im Café sitzen, ohne dass eine Bombe in die Luft fliegt. In Afghanistan gibt es diese Freiheit nicht.