bedeckt München 17°

Prozess wegen Zuhälterei:Der Sexunternehmer, der "die Mädchen" schickte, hat einen Club nach DSK benannt

Sieht so ein Zuhälter aus? Wenn Strauss-Kahn an das Pult vor den Richter gerufen wird und Fragen beantworten soll, macht sich eher der Ex-Politiker bemerkbar, der die öffentliche Rede gewohnt ist. Selbstsicher erklärt er, er habe "nie die leiseste Ahnung" gehabt, dass die Frauen aus Lille, die er in Paris, Brüssel oder Washington traf, Prostituierte seien. Die anderen Angeklagten hätten es ihm verschwiegen - und die bestätigen das.

"Verkehr mit einer Prostituierten ist nicht meine Vorstellung von Lust", sagt Strauss-Kahn. "Ich will doch, dass es ein Fest ist!" Ohnehin habe er ja gar keine Probleme damit, Frauen für sich zu gewinnen: "Man unterstellt mir viele Eroberungen. Aber wahrscheinlich immer noch weniger, als der Realität entspricht." Hätte er seinerzeit bemerkt, dass Mounia weinte, hätte er sofort innegehalten, beteuerte Strauss-Kahn: "Das hätte mich abgestoßen." Er erinnere sich aber auch nicht an jedes Detail dieser Begegnung.

Mounia schon. Es habe ein schönes Buffet gegeben damals in Paris, sagt sie. Sie habe Strauss-Kahn erzählt, dass sie Mutter sei und Fremdsprachensekretärin. Dass sie auch Sexarbeiterin ist, habe sie allerdings nicht gesagt. Über Geld sei nicht gesprochen worden. 900 Euro - anstatt der vereinbarten 1500 - habe sie erst später bekommen. Gezahlt habe ein Manager einer Baufirma, der in Paris dabei gewesen war.

"Trotzdem muss jedem klar gewesen sein, dass ich und die anderen Frauen Prostituierte waren", sagt Mounia. Abgesehen vom Sex, sagt sie noch, habe sich der mächtige "Monsieur DSK" sehr höflich gezeigt. Als sie das sagt, stopft sich Strauss-Kahn mit zufriedenem Ausdruck etwas in den Mund, das ein Keks sein könnte.

Tragik und Komik wechseln sich ab

Der Prozess gibt tiefe Einblicke in die Welt der "Libertinage", wobei sich Tragik und Komik vermischen. Angefangen mit dem Zusammenbruch jenes Hotelmanagers, der die Callgirls für die Partys organisierte. Fortgesetzt mit "Dodo la saumure" ("Dodo, die Salzlake"), der im nahen Belgien Bordelle betreibt und dem Hotelmanager "die Mädchen" geschickt haben soll.

Der vorbestrafte Sexunternehmer beweist vor Gericht nicht nur Sinn fürs Geschäft, sondern auch für Selbstironie: Nachdem er 2014 einen "Dodo Sex Klub" ("DSK") gegründet hat, denke er nun an ein Freudenhaus mit Namen "Famous Miss International". FMI steht im Französischen für IWF.

Und dann ist da noch die Verschwörungstheorie, die genährt wurde vom Anwalt eines mitangeklagten Ex-Polizeipräsidenten. Die Frage ist, warum Strauss-Kahns Vertraute schon Monate vor den offiziellen Ermittlungen abgehört wurden - mit Erlaubnis der damals konservativen Regierung Frankreichs, die den Sozialisten Strauss-Kahn als gefährlichsten Gegner bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen fürchten musste.

DSKs Verteidiger haben sich dem Antrag jedenfalls angeschlossen, den Prozess deshalb für nichtig zu erklären. Mit einigem Erfolg: Das Gericht will das Verfahren zwar planmäßig führen, vor dem Urteil aber entscheiden, welche Erkenntnisse wegen des Lauschangriffs womöglich nicht verwertbar sind.

Strauss-Kahn amüsiert sich

Für Strauss-Kahns Liller Freunde könnte es enger werden als für DSK selbst. Nicht zuletzt für den Baumanager und für einen weiteren Unternehmer, die für die Partys bezahlten und sich so wohl beim vermeintlich künftigen Staatspräsidenten einschmeicheln wollten. Sie könnten als Zuhälter gelten.

Aber Strauss-Kahn? Nach seiner Aussage lehnt er sich entspannt zurück auf seinem schwarzen Klappstuhl und streckt die Beine von sich. Und als einer seiner früheren Begleiter vor Gericht seine Nicht-Teilnahme an der denkwürdigen Orgie in Paris mit "Formschwäche" rechtfertigt - da findet der Angeklagte Strauss-Kahn das äußerst amüsant.