Prozess gegen Ex-Krankenpfleger in Oldenburg Ermittler wollen acht Leichen exhumieren lassen

  • Im Zuge der Mordermittlungen gegen einen früheren Krankenpfleger wollen die Ermittler zunächst acht Leichen exhumieren.
  • Der 38-Jährige hat vor Gericht zugegeben, für den Tod von bis zu 30 Patienten verantwortlich zu sein.

Ermittler wollen acht Gräber öffnen lassen

Angeklagt ist der 38-Jährige vor Gericht lediglich wegen dreifachen Mordes und zweifachgen Mordversuchs. Doch der ehemalige Krankenpfleger hat vor Gericht vergangene Woche zugegeben, viel mehr Menschen getötet zu haben. Etwa 90 Mal habe er Patienten im Klinikum Delmenhorst das Herzmittel Gilurytmal gespritzt, das zu schweren Herzrhythmusstörungen führt. Dann sei wieder ins Zimemr gekommen und habe reanimiert. 30 Menschen seien gestorben. 60 Menschen hätten nur knapp überlebt. Sein Motiv: Er habe sich als exzellenter Pfleger beweisen und vor seinen Kollegen Eindruck schinden wollen.

Mittlerweile untersuchen die Behörden zahlreiche weitere verdächtige Todesfälle in den Krankenhäusern, in denen der Pfleger beschäftigt war. Acht Leichen sollen jetzt exhumiert werden. Die Gräber befänden sich auf einem Friedhof in der Region Oldenburg, sagte der Leiter der Polizeidirektion Oldenburg, Johann Kühme. Genauere Angaben wollen die Ermittler nicht machen. "Wir wollen verhindern, dass Schaulustige das Geschehen vor Ort verfolgen", sagte Kühme.

Möglicherweise größte Mordserie in der Bundesrepublik

Dass die Polizei und die Staatsanwaltschaft drei Tage vor der geplanten Urteilsverkündung in einem Mordprozess noch einmal eine Pressekonferenz zum Stand der Ermittlungen geben, ist ungewöhnlich. Doch der Fall des Krankenpflegers in Niedersachsen hat in in den vergangenen Wochen eine große Dynamik bekommen.

Es deutet sich immer stärker an, dass der ehemalige Pfleger für die größte Mordserie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland verantwortlich sein könnte.

Ob noch weitere Leichen exhumiert werden, ist derzeit unklar. Bei den Ermittlungen geht es um insgesamt etwa 200 Fälle an seinen früheren Arbeitsorten: um 20 Fälle in Oldenburg, acht Fälle beim Rettungsdienst und 174 Fälle am Klinikum Delmenhorst.

Die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage fordern für den 38-Jährigen lebenslange Haft.