Neue Formen der Bestattungen:Ein Feuerwerk für Hinterbliebene

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Das ist kein Wunder, wenn man weiß, das nach einer Kremierung immerhin ein stattliches Häufchen von rund zwei Kilogramm Asche von einem erwachsenen Menschen übrigbleibt. Bei jährlich 420000 Feuerbestattungen ergibt das mehr als 800 Tonnen. Vergleichbare Probleme haben daher auch Naturschützer in den schottischen Highlands oder in der kargen Bergwelt von Wales registriert.

Weil sich immer mehr Wanderer, Naturfreunde oder Vogelkundler auf einsamen Matten und Kuppen verstreuen lassen, führt das in der Knochenasche enthaltene Phosphat zu einer Überdüngung des Wald- und Wiesenbodens. Die Folge: Unkontrollierter Pflanzenwuchs wo Jahrhunderte lang der Wind über kahle Höhen strich.

Man will nicht mehr um Tote trauern

Bestattungstechnisches und umweltpolitisch weniger umstrittenes Neuland beschreitet man indessen bei der Firma Heavens Above Fireworks in der ostenglischen Grafschaft Essex. "Die Welt wird immer säkularer", hat ihr Präsident Fergus Jamieson erkannt, der das Unternehmen vor vier Jahren gründete. "Man will nicht mehr so sehr einen Toten betrauern, sondern ein erfülltes Leben feiern. Und wir merken es an unserem Auftragsbuch: Wir können uns vor Anfragen kaum retten."

Und was wäre knalliger als ein Feuerwerk? Ab umgerechnet gut 1000 Euro schon füllt Jamieson die Asche der Schwiegermama oder des Onkels in eine Rakete mit bengalischem Feuer oder in einen China-Kracher.

Patriotische Briten bekommen das Feuerwerk in den Nationalfarben rot, weiß, blau mit entsprechender Musikbegleitung. Wer etwas tiefer in die Tasche greift, kann wählen zwischen "A Spectacular Goodbye" ("eine ausgewogene Vorstellung für jeden Geschmack") und dem Tableau "Go Out with A Bang" ("mit einer Betonung des Dramatischen und viel Lärm"). Nicht zu vergessen: Jeder Feuerwerker hat die "Trauerweide" in seinem Arsenal, eine Rakete, die in langen, feurigen Schnüren zurück zum Boden regnet.

Mr. Enterprise im Orbit

Vollends umweltverträglich freilich ist "The Final Frontier" - die ultimative Grenze. Dazu schließt sich Jamieson mit dem kalifornischen Unternehmen Celestis zusammen, das soeben angekündigt hat, Gene Roddenberry, den Schöpfer der Fernsehserie "Raumschiff Enterprise" auf seine allerletzte Reise zu schicken.

Der 1991 gestorbene Autor hatte verfügt, dass seine Asche in die unendlichen Weiten des Weltalls gefeuert wird. Ein wenig wird er sich noch gedulden müssen. Erst 2012 ist die Rakete mit dem schönen Namen "Der Flug der Gründer" startklar. Mit an Bord werden seine Frau Majel sein sowie der Schauspieler James Doohan, der - "Beam mich hoch, Scottie" - den Chefingenieur der Enterprise spielte.

Ein paar Gramm von Gene Roddenberry freilich befinden sich schon seit 1995 in einer Umlaufbahn um den Globus. Bei dieser erdnahen Bestattungsvariante wird die winzig kleine Aschekapsel ausgestoßen, sobald das Trägerraumschiff seinen Orbit erreicht hat. Sie kreist solange um die Erde, bis sie durch die Anziehungskraft hinabgezogen wird und in der Atmosphäre verglüht.

All diese Lösungen sind letzten Endes vergänglich. Wer wirklich für die Ewigkeit plant, der kommt um das Unternehmen LifeGems in Sussex südlich von London nicht herum. 2500 Euro kostet es, und die Asche des teuren Verblichenen wird zu einem funkelnden Diamanten gepresst - ein bleibender Gruß des liebenden Ehemannes an die trauernde Witwe. Denn sie weiß ja: Diamonds are forever.

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