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SZ-Kolumne "Mitten in ...":Nase zu und durch

Unsere Autorin hat im Auto ein Geruchsproblem, gegen das kein Duftbaum ankommt. Aber warum stinkt's bloß so? Drei Anekdoten aus Deutschland und Europa.

Mitten in ... München

Illustration: Marc Herold

Der erste richtig warme Tag im Jahr, aber statt Ausflug steht Impfen an. Nicht gegen Covid, sondern gegen Zeckenkrankheiten, das Kind hat null Bock und fängt an zu kreischen, als es ins Auto gesetzt wird: "Uaaah, stinkt!!" Impfen stinkt nicht, sagt die Mutter - doch in dem Moment, in dem sie selbst im Auto Platz nimmt, merkt sie: Es stinkt doch. Und zwar gewaltig. Das kann nur ein Marder sein, denkt sie, checkt Motor, Unterboden. Nichts! Es beginnt eine Woche immer wahnhafteren Fahndens nach dem Verursacher des betäubenden Gestanks, sogar die Fachleute sind ratlos. Dann, als das Auto fast schon abgeschrieben ist, des Rätsels Lösung: ein (vormals) eingeschweißtes Lachsfilet. Hatte sich vor etwa zwei Monaten in einer Seitentasche des Kofferraums verkeilt und ward seither nicht mehr gesehen. Tja, es verschwindet halt doch nichts. Sara Peschke

Mitten in ... Pfalzpaint

Illustration: Marc Herold

Der Altmühltal-Panoramaweg zwischen Kinding und Eichstätt bietet spektakuläre Ausblicke. Kulinarisch dagegen erweist sich als einziger Höhepunkt des Tages ein Eisautomat am Sportplatz von Arnsberg. In weiser Voraussicht haben wir Brote geschmiert und Tee in Thermoskannen gefüllt. Trotzdem bleibt die Hoffnung, am Ende der Etappe in Pfalzpaint bei Walting noch einen Kaffee zum Mitnehmen zu bekommen. Die Ortschaft scheint dafür groß genug zu sein, und der Bus zurück zum Bahnhof Kinding fährt erst in einer Stunde. Also sprechen wir eine ältere Frau an, die sich in auffällig bunten Leggins vor einem winzigen Häuschen auf einem Liegestuhl sonnt: Ob es vielleicht eine Bäckerei gebe hier? Die Frau wirkt, als hätte sie nur auf diese Frage gewartet. "Hier gibt es nichts", sagt sie theatralisch, "absolut nichts." Wolfgang Krause

Mitten in ... Thun

Illustration: Marc Herold

Mittagspause in Thun. Was tun? Restaurants und Cafés sind geschlossen, also schlendere ich nichts tuend und hungrig durch die hübsche Altstadt. Ich komme mir vor wie ein Tunichtgut. Spontan fallen mir lauter Tunwörter ein. Tunen (ein Auto)? Tunneln (einen Fußballer)? Turnen (passt nicht ganz)? Tunken (Hörnchen in Kaffee)? Im Thuner See baden? Sollte man tunlichst vermeiden, viel zu kalt. Wenn ich hier einen Fisch angeln würde, dann wäre es ein Thunfisch. Etwas Essbares würde jetzt nottun, bevor mein Sprachzentrum kollabiert, das kann ich hiermit kundtun. Schluss mit den Wortspielen, mehr kann man niemandem antun! Ich lasse den Friseur "Haarequai" am Aarequai links liegen und kaufe bei der Confiserie Steinmann ein Mandelhörnli to go. Es ist seltsam geformt und nennt sich: Thunfischli. Gegen Thunwortwitze kann man einfach nichts tun in Thun. Titus Arnu

© SZ/nas
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