bedeckt München 32°

Miss Germany 2014:Bundesprinzessin für ein Jahr

Wahl Miss Germany 2014

Vivien Konca schluchzt mehr als dass sie redet: "Ich möchte etwas verändern. Ich möchte alleinstehenden Frauen mit Kindern helfen."

(Foto: dpa)

"Ich bin stolz, dass ich in Deutschland leben darf": Vivien Konca aus Nordrhein-Westfalen bekennt schluchzend ihre Liebe zum Heimatland und gewinnt die Wahl zur Miss Germany. Die Jury meint, sie dürfe nun Deutschland repräsentieren. Zu Besuch beim Assessment-Center für charmante Top-Diplomatinnen.

Von Roman Deininger und Max Hägler, Rust

Es ist kurz vor elf am Samstagabend, im Europapark Rust hat die entscheidende Interviewrunde begonnen. Neun Kandidatinnen sind übrig, neun Mädchenträume. Vivien Konca, 19 Jahre alt, Miss Nordrhein-Westfalen, bekommt das Mikrofon, sie soll erklären, warum sie eine würdige Siegerin wäre. Sie sagt: "Auch ich denke, dass ich ich selbst bin." Die ersten Tränen fließen. "Ich bin stolz, dass ich in Deutschland leben darf." Ihre Stimme beginnt zu zittern, Vivien Konca schluchzt mehr als dass sie redet: "Ich möchte etwas verändern. Ich möchte alleinstehenden Frauen mit Kindern helfen." Man weiß das erst eine gute halbe Stunde später: Aber man hat gerade die neue Miss Germany erlebt.

Miss Germany, das ist nicht irgendwas: Der bekannteste Schönheitswettbewerb in Deutschland, eine Tradition seit 1927. 5450 Frauen hatten sich diesmal beworben, 24 haben es in die Endrunde im Europapark geschafft. Sogar Harry Wijnvoord, Niederländer bekanntlich, Showmaster und heute Jurymitglied, sagt feierlich: "Das Mädel, die gewinnt, repräsentiert die Bundesrepublik Deutschland." So sehen das alle hier: Der Miss-Wettstreit als Assessment-Center für charmante Top-Diplomatinnen.

Wahl Miss Germany 2014

"Die Wahl hilft mir für die Arbeit", sagt der Schönheitschirurg Professor Werner Mang, auch er ist unter den Juroren. "Hier kann man Trends erkennen, welches Aussehen gerade in welcher Region beliebt ist."

(Foto: dpa)

Für den schillerndsten aller Schönheitschirurgen ist der Abend im Freizeitpark eine Fortbildungsveranstaltung. "Die Wahl hilft mir für die Arbeit", sagt Professor Werner Mang, auch er ist unter den Juroren. "Hier kann man Trends erkennen, welches Aussehen gerade in welcher Region beliebt ist." Mehr oder weniger Popo, dunkles Haar, blondes Haar, normale Frauen, die hier bei Miss Germany gern als "fraulich" bezeichnet werden, oder doch eher die gerade Linie mit knappem Gewicht. Wobei Mang natürlich schon eine Schablone im Kopf hat, unabhängig von allen Trends: "Ich setze hier medizinisch-wissenschaftliche Maßstäbe an: Perfekt muss die neue Miss nicht sein, es geht hier nicht um Models. Aber die Proportion zwischen Beinen und Oberkörper ist wichtig."

"Klar, man wird verheizt"

Daran können die 24 jungen Frauen nichts mehr ändern, als sie sich am Nachmittag vor der Show hinter der Bühne fertig machen fürs große Schaulaufen. Aber an der Oberfläche lässt sich feilen. Hinten im "Styling Room" liegt eine der Damen auf einer Liege, eine Kosmetikerin, gebeugt über eine große Lupe, operiert an ihrem Gesicht herum. Die Abteilung heißt: Wimpern-OP. Vor Kosmetikspiegeln sitzen in zwei Reihen ihre Konkurrentinnen - und auch manch alte Hasen, die diesmal Ehrengäste sind und viel zu erzählen haben: Doris Schmidts etwa, Miss Germany 2009. Auf dem Schoß eine Louis-Vuitton-Handtasche, lässt sie sich die dunklen langen Haare machen, es raucht und zischt. "Miracurl" heißt das Gerät, das wie von selbst Strähnen einzieht und daraus Locken formt. Locken? Ist das nicht so was von achtziger Jahre? "Ein bisschen pompös muss es eben schon sein hier", sagt Schmidts, 25.

Miss Germany, was hat ihr das gebracht? Doris Schmidts hat einen Bachelor in Wirtschaft, sie wollte in die Medien. Jetzt modelt sie und moderiert sie bei einem People-Magazin, macht im Herbst ein Volontariat. "Klar, man wird verheizt, nachdem man gewonnen hat, aber man bekommt eben viele Kontakte", sagt sie beim Fingernägellackieren. "Ich nutze schon aus, dass ich hübsch bin, gerade bei Vertragsverhandlungen mit Männern." Andererseits habe es eine Miss nicht leicht bei der Partnersuche: Junge Männer sind oft verschüchtert und das Ego leidet bei vielen, wenn sie eine Miss als Freundin haben." Auch nervig: "Die Alten grabschen." Hinter Schmidts stromert da gerade ein mittelalter Mann mit Kamera durch den Raum, auf seinem T-Shirt steht: "Ich will dich vor meiner Digicam". Na ja, sagt Schmidts, ein echtes Problem habe sie nicht mit all den seltsamen Avancen: "Mich stört es nicht, auf das Äußere reduziert zu werden."

Abgeklärt klingt das, während die jungen Kolleginnen um sie herum mit Lampenfieber ringen. Magdalena Motl aus Radebeul, Krankenpflegerin, 23 Jahre alt, amtierende Miss Sachsen, hat Schminkpause. Sie erzählt von den vergangenen drei Wochen Training, drei Wochen Girlscamp, drei Wochen an der Eliteschule des Lächelns. Früher wurden die Damen dafür nach Ägypten geflogen, diesmal nur in den Freizeitpark "Tropical Island" in Brandenburg. Wie alle Kandidatinnen versichert Magdalena Motl, dass man sich allerbestens verstanden habe und viele Freundschaften entstanden seien. Und sie erzählt von den "Challenges", die zu bewältigen waren: eine Supertalent-Show, bei der Miss Sachsen einen Mundart-Sketch zur Aufführung brachte; ein Medientraining, das offensichtlich erfolgreich war. Außerdem: Karaoke-Wettbewerb, Laufsteg-Coaching, Dirndlshooting, Knigge-Essenskurs. Magdalena Motl hat da etwa gelernt, dass man ein Sektglas vom Empfang niemals mit an den Tisch nimmt.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB